Gehet hin zufrieden!

Dass Angela Merkel ein eher sonderbares, wenn nicht gar fragwürdiges Geschöpf als ihr Lieblingstier benennt, wird nur noch durch ihren offensichtlich manisch tiefergelegten Wunsch, uns mit einer weiteren Regierungseinheit auch noch den kläglichen Rest unserer verbliebenen Charakterzüge aus dem Gesicht zu bügeln, übertroffen. Dem auf das Entschiedenste zu wehren, ist der wesentliche Inhalt dieser Schrift.


So, und zwar genau so lautet das Credo einer Frau, die nun seit 12 Jahren die Geschicke unseres Landes aus einer Art lähmenden Gelassenheit heraus bestimmt, die allen wirklich kreativen und hochstrebenden Geistern schon im Ansatz den Garaus macht, und deren Lieblingstier nach eigener, erschütternd folgerichtiger und  öffentlich nachprüfbarer Aussage, die Kröte ist. Für die wirklich klugen Köpfe, die genau wissen, dass man den tiefernsten Dingen des Lebens nur mit noch tieferem Humor begegnen darf, wäre mein Essay über Angela Merkel an dieser Stelle schon beendet. Aber noch ist der Umstand, dass der visionärste Clown des letzten Jahrhunderts, ein gewisser Charlie Chaplin das Dritte Reich und seine aufdringlichsten Protagonisten weit besser durchschaut hat, als je ein Historiker es vermocht hätte, nicht genügend verbreitet. Also gucken wir uns die wechselwarme Dame und ihre gutversteckten Giftdrüsen einmal genauer an.

Aber zuvor muss ich noch kurz auf meine politische Gesinnung, mehr um der Genauigkeit als der Aufrichtigkeit willen, zu sprechen kommen. Ich bin klassischer Links-Wähler, genauer sagt Grünen-Wähler der ersten Stunde, der die SPD noch in seinem Wahl-Kanon führt, und beim letzten Mal halb aus Überzeugung, halb aus Verzweiflung die Piraten gewählt hat. Mein politisches Bewusstsein ist mittlerweile auf einem Niveau angelangt, das es mir erlaubt, meine objektive Anschauung mit meiner subjektiven Gesinnung in ein souveränes Verhältnis zu setzen. Im Konkreten ist damit gemeint, dass ich dem politischen Gegenüber zugestehen kann, dass er zumindest temporär die geeignetere Person zur Wahl stellt, die ich aber trotzdem nicht wähle. Ein Umstand, den ich auf regionaler Ebene, wo ich die besagte Person besser kennenlernen kann, mittlerweile freier behandle. Um die ganze Sache an einem prägnanten Beispiel deutlich zu machen: Ich bin heute ganz und gar der Meinung, dass den Dingen, die Helmut Kohl richtig gemacht hat gegenüber denen die er falsch gemacht hat, ein erkennbar größeres Gewicht eingeräumt werden muss. Ich bin auch der Meinung, dass der kulturell gebildetere und distinguierte Helmut Schmidt diese wichtigen Ziele nicht in gleichem Maße erreicht hätte. Und zwar genau wegen diesem höheren Bildungsstand, der ihn bei seinen damaligen politischen Partnern wie Thatcher, Reagan, Bush Senior und vielleicht sogar Mitterand eher arrogant hätte erscheinen lassen. Schmidt hatte immer schon eine latente Überlegenheitsattitüde, die nur von intellektuell ähnlich ausgerichteten Geistern nicht als Hochmut interpretiert wird. Kohl war also auf internationaler Ebene sicher der kompatiblere Politiker-Typ. Und trotzdem würde ich ihn auch im Nachhinein niemals wählen. Und das liegt weniger an dem Was als dem Wie seines Tuns. Sein gelegentlich brachiales Autoritätsgebaren war schlichtweg zum Kotzen. Na ja, und das am Ende ein paar Dinge ganz und gar nicht koscher waren, ist ein offenes Geheimnis. Dass seine Natur auch viel Sympathisches barg, kann nicht bezweifelt werden.

Um den generellen Unterschied eines Rechts-Wählers zu einem Links-Wähler mal in eine griffige Formel zu packen: Der Erstere definiert sich im besten Fall als ein idealistischer Pragmatiker, der Zweite als ein pragmatischer Idealist. Bei einem klassischen CDU-Wähler steht also das kurzfristig Machbare immer etwas vor dem langfristig Anzustrebenden, genau wie bei der katholischen Kirche. Bei einem klassischen SPD-Wähler steht der ideelle Anteil, vor allen Dingen was das Thema Gerechtigkeit angeht, immer etwas vor dem direkt Umsetzbaren. Dass sich diese Verhältnisse heute nicht mehr so klar voneinander trennen lassen, ist eine Binsenweisheit. Und trotzdem ist von diesem alten Kern noch ein kleiner, aber feiner Rest übriggeblieben. Und der kann mit Hilfe von entsprechenden Akteuren auch schnell wieder anwachsen. Man könnte übrigens die erste, die konservative Art des Regierens ebenso als vorsichtiger und vernünftiger wie auch als ängstlicher und weniger kreativ bezeichnen. Für die andere Form des Führens könnte man ein gegenteiliges Szenario entwerfen. Aber in unserer komplexen Welt, in der nur wenige noch einen zumindest annähernd vollständigen Überblick über das Ganze haben, vermischen sich die Dinge, “das Konservative“, “das Liberale“, “das Soziale“, und andere wenig verstandene Begriffe in immer gesteigertem Maße.

Angela Merkel vermochte, besonders in ihren ersten acht Regierungsjahren, immer wieder erfolgreich zu vermitteln, dass sie diesen Überblick hat. Und zwar durchaus mehr, als jeder andere aktive Politiker in Deutschland. Und darüber hinaus kommen neben ihren gut erkennbaren Defiziten noch einige Dinge zum Tragen, die ich schon für Kohl positiv ins schwer umkämpfte Feld geführt habe. Aber besonders in den letzten vier Jahren hat sie einige, eher desaströse Auftritte hingelegt wie auch Entscheidungen solcher Art getroffen. Entscheidungen, die in ihrem Aktionscharakter ziemlich genau dem ihres schon erwähnten Lieblingstieres, der Kröte entsprechen. Wenn ich nun das Verhalten und die Eigenschaften dieses schnuckeligen Geschöpfes aus dem Reich der wechselwarmen, also temperaturlabilen Amphibien – man fühlt sich irgendwie an das “garstig, glatter, glitschiger Glimmer“ vom leicht durchtriebenen Herrn Alberich aus dem Anfang des “Rheingold“ des von Frau Merkel durchaus geschätzten Richard Wagners erinnert –  zur Grundlage meiner folgenden Betrachtungen erhebe, sollte man vorsichtig sein, mir einen Mangel an Ernsthaftigkeit zu unterstellen. Aus zwei Gründen ist das genaue Gegenteil der Fall.

Da ist zuerst der phantasievollste und begabteste, und deshalb auch präziseste und umfänglichste gesellschaftskritische Geist der jüngeren europäischen Kulturgeschichte, der immer noch überragende französische Romancier Honoré de Balzac, der in seiner 12000 Seiten starken “Menschlichen Komödie“, die ich zu zwei Dritteln sorgfältig gelesen habe, die Analogien zwischen tierischem und menschlichem Verhalten ausdrücklich als einen zentralen Punkt seiner Betrachtungen bezeichnet hat. Speziell bei mir kommt als ein professioneller Musiker mit einem auch auf diesem Gebiet weit gespannten Horizont, noch die Bewegungskomponente stärker ins Spiel. Das bedeutet, ich achte sehr genau auf den Körperrhythmus einer Person. Und als der Sänger, der ich bin, ebenso auf die Sprachmelodie. Denn wie man Dinge tut oder sagt, ist häufig viel wichtiger als was man tut oder sagt. Und zwar besonders im meist so inhaltsarmen Wischi-Waschi der politischen Welt. Dass der Dichter Balzac übrigens zehn Jahre älter war als genau der Wissenschaftler, dem wir die Erkenntnisse der letztlich auch gut sichtbaren Verwandtschaft vom Menschen zu seinen tierischen Vorfahren verdanken – dem geschätzten Monsieur Darwin – sei nur nebenbei erwähnt. Ebenso wie der Umstand, dass der letzte Satz von einem sehr spirituellen und bibelfesten Gemüt angeführt wurde. Nur damit hier keine größeren Missverständnisse aufkommen.

Der zweite, und vielleicht noch entscheidendere Grund, geht auf die immer noch weitgehend unbemerkte Verbindung von Wahrheit, oder besser Wahrhaftigkeit, also erlebter Wahrheit und Humor ein. Neben dem bereits erwähnten Charlie Chaplin und seinem Film “Der große Diktator“ hätten wir da noch einen gewissen Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot im erkenntnistheoretisch wie praktischen Angebot. In der jüngeren Vergangenheit dürfte einem wohl kaum, und nicht zuletzt unter den Aspekten der bewusst eingesetzten unfreiwilligen Körperkomik und der Sprachmelodie, eine genauere Analyse der tieferen deutschen Befindlichkeiten unterkommen, als in dessen Meisterwerken “Zimmerverwüstung“, “Eheberatung“, “Skat“ oder “Schmeckt`s?° Um hinter die feinsinnigen Geheimnisse des Humors zu kommen, muss man natürlich auch über das, worüber man so herzlich gelacht hat, mal ein wenig nachdenken. Ein existentielles Hobby, das seiner flächendeckenden Verbreitung noch ungeduldig entgegenharrt. Nun aber endlich Konkreteres über die omnipräsente, stets die wohlwollend mimende Gutgemeint-Unke bundesdeutscher Beschaulichkeit, über den ach so weltoffenen, aber letztlich wohl doch Esprit-resistenten Matriarchats-Lurch des mitnichten weder eiligen noch allzu heiligen böhmischen Reiches deutscher Fraktion.

Der erste wirklich mächtige Fauxpas von Angela Merkel fand im Jahre 2010 statt, und beinhaltete die ungewollt arrogant klingende Vokabel “alternativlos“. Ehrlich gestanden, wem man heute noch, angesichts der AFD, der “Alternative für Deutschland“, die unseligen Folgen dieses Ausspruches erklären muss, der sollte vielleicht einfach mal nachschauen, ob sein Führerschein für kausales Denken vorzeitig abgelaufen ist. Also bei allem Sinn für das Korrelative, diese Nummer ist wirklich stringent von einem Punkt zum anderen geflossen.

Das zweite, sagen wir Malheur, geschah ein Jahr später, und betrifft die sogenannte Energiewende. Nicht dass ich dieser Entscheidung keinen tiefen inneren Beifall gezollt hätte, so hat mich aber doch die Art und Weise, wie dieser Entschluss zustande kam, einigermaßen irritiert. Und hier sind wir dann auch beim ersten hinreichenden Grund angelangt, warum diese Dame auf keinen Fall ein weiteres Mal die Kanzlerin unserer geistig immer genügsamer gewordenen Schlagerbananen-Republik werden sollte. Denn nach den öffentlichen Statements, die sie zu dieser Entscheidung im Angesicht des japanischen Reaktorunglücks gegeben hat, keimte in mir – Stichwort Sprachmelodie – der begründete Verdacht auf, dass der tiefste, wenn auch nicht einzige Grund für das ruckartige Umdenken in der Energiepolitik weder Sorge noch Berechnung, sondern Angst, oder genauer ausgedrückt, Ängstlichkeit war. Während die Sorge einem mit Langmut begabten mütterlichen Empfinden entspringt, ist die Angst schon ein deutlich angespannteres, dynamischeres Gefühl. Die Ängstlichkeit dagegen, ist die flatterhaft-hysterische Variante der ausgewachsenen Angst. Sie ist der zutiefst instabile Zustand eines kleinen Mädchens. Wenn Angela Merkel wirklich massivem Druck ausgesetzt ist, dann wird aus der sesshaften, nicht aus der Ruhe zu bringenden Kröte, gerne mal ein nervös hin und her hüpfender Laubfrosch. Dass sie das gut verbergen kann, war immer ihr Plus, und wird hoffentlich nicht sehr bald unser aller Minus werden. Denn wenn wir nun in Rechnung bringen, dass die immer mehr aufkommende Generation von Machos, die Trumps, Putins und Erdogans dieser gelegentlich aufflammenden Mädchenhaftigkeit – ein Zug, der einer Maggie Thatcher aus gutem Grund vollkommen fremd war – in ausreichendem Maße gewahr werden, dann kommt mir unwillkürlich der berühmteste Satz meines nicht weniger berühmten Vornamensvetters Heinrich Heine in den Sinn: “Denk ich an Merkel in der weltpolitisch immer dunkler werdenden Nacht, bin ich doch ein klitzekleines bisschen um den mehrwertsteuerfreien Schlaf gebracht!“ Ich fürchte, dass ein zu großer Teil der Deutschen, und besonders der Deutschinnen diese ausgewachsenen, voll durchdynamisierten Machos mit deren Hechel-Hündchen Ausgabe aus der CDU, die die Merkel mit ihrem amphibischen und mitunter nicht wenig durchtriebenen Gleichmut einfach ins Leere hat laufen lassen, auf das Ungehörigste verwechseln. Hier flechte ich mal einen Appell an die ja sehr häufig zu Recht gepriesene Fähigkeit zur Vernunft des weiblichen Geschlechtes im Allgemeinen wie im Besonderen ein.

Liebes, verehrtes Weibsvolk! Wenn man eine Gaststätte, eine Kneipe, oder einen Club besitzt, und sowas ähnliches ist die globale Welt ja heutzutage, und sie haben als Türsteher für denselben nur noch ein paar mehr oder weniger sanfte Intellektuelle im Einsatz, oder eine Frau, deren Mangel an körperlichem Selbstvertrauen – denn genau daher rührt diese Ängstlichkeit – bei jedem noch so harmlosen Interview immer wieder gut zu erkennen ist, dann wird ihnen ihr Laden früher oder später ganz böse auseinander genommen werden, ob sie wollen oder nicht. Und dann rufen sie wieder nach den starken Männern, dann rufen sie wieder nach “Muskeln“. Denn die haben selbst in der Politik, und ich meine zum Glück, noch nicht ganz ausgedient. Denn das Körperliche ist ja ein ebenso legitimer Ausdruck dieser Welt wie das Geistige. Und deshalb glaube ich auch, dass so ein Such- und Buchgermane wie Martin Schultz, der im europäischen Parlament schon mehrfach gezeigt hat, wie man mit Rassisten und anderen Wichtigtuern umzugehen hat, die geeignetere Persönlichkeit für die kommenden Aufgaben eines Bundeskanzlers ist. Angela Merkel scheut kategorisch, aus einer mädchenhaften Zurückhaltung heraus, zwar nicht den indirekten, aber sehr wohl den direkten Konflikt mit Leuten wie Trump und Company, was man im Falle Erdogans auch schon deutlich erkennen könnte. Oder anders ausgedrückt, Kröten verschlucken ihre Opfer so schnell, dass man sich fragt, ob es dieselben überhaupt je gegeben hat, aber sie führen weder, zumindest die weiblichen nicht, irgendwelche Box-  noch Ringkämpfe auf. Und ich fürchte die werden, im übertragenen Sinne verstanden, auch in der Politik, zumindest für eine gewisse Zeit immer beliebter werden. Soviel erstmal zum Ängstlichen zur falschen Zeit, am falschen Ort.

Der dritte markante Fehltritt der noch amtierenden Kanzlerin passierte ihr – und hier gibt es Parallelen zu der Krötengeschichte, wo sie von einem kleinen Jungen interviewt wurde – mit einem jungen Mädchen aus dem Libanon. Ja, die lieben Kinderlein sind fast immer die ersten und besten Stolpersteine der Mächtigen. Vor allen Dingen wenn diese Mächtigen in ihrem Land als “Mutti“, als kinderlose Mutti der Nation geführt werden. Und diese Kinderlosigkeit von Frau Merkel war in diesem Interview erschreckend deutlich zu erkennen. Die erste Antwort die sie diesem jungen Mädchen mit dem schönen Namen Reem gegeben hat, war eine Frage. Und ihr Ausdruck bei dieser Frage war der einer kaltherzigen Besorgnis. Ja, ich weiß, das ist ziemlich ambivalentes, ziemlich widersprüchliches Futter. Aber was soll ich machen, genau das war der gut erkennbare Zustand ihrer Sprachfärbung, wie auch von dem kurz später von der Kamera nachgelieferten Gesichtsausdruck. Aber viel entscheidender ist die Frage, wo kommt dieser widersprüchliche Ausdruck eigentlich her!? Er kommt aus dem schlechten Gewissen einer Person, die hier sehr unmittelbar mit den Nachlässigkeiten ihrer Politik konfrontiert wurde, und dem gleichzeitig ernsthaften Bestreben dieser Person, keine von ihr als unnötig erkannten Leiden einfach so zu ignorieren. Hier biss sich, besonders am Anfang des Gespräches, das kategorische Abgehoben sein der oberen Etagen des politischen Establishment mit dem extrem konkreten Herantreten greifbaren Leides an eben dieses. Übrigens führte der einigermaßen kaltherzige Beginn dann über einen eher kühlen und halbwegs besonnenen Mittelteil am Ende zur einer, besonders in Deutschland sehr beliebten Variante des Mitgefühls, zur Sentimentalität. Dieselbe ist die, besonders bei alkoholischen Gemütern, oder auch bei einer ausgemachten Opernliebhaberin wie der Frau Merkel etwas zu selbstmitleidige Version des Mitgefühls. Sie entsteht aus der Ohnmacht heraus, durchaus helfen zu wollen, aber es letztlich doch nicht zu können. Deshalb das gutgemeinte aber schlechtgemachte Streicheln und Trösten eines der prägnanten Opfer ihrer Politik. Zusätzlich bleibt noch festzustellen: Ihre Mimik, der folgende Ausruf, wie ebenso die Kopfhaltung in die unsere Gutgemeint-Unke für chronisch Besserverdienende verfiel, als das Mädchen zu weinen anfing,  war der tiefmöglichste Zustand von “Thema verfehlt“ – wie wir Jazzmusiker gerne mal sagen – der zu erreichen ist. Ihr “Das hast du doch prima gemacht!“ war von einer so selbstvernichtenden Hilflosigkeit gezeichnet, dass man spätestens an diesem Punkt ernsthaft ins Grübeln kam, wie diese Frau solange an der Regierung bleiben konnte. Ach ja, ich erinnere mich, es war einfach niemand Besseres da. Aber genau 500 Jahre nachdem ein ziemlich gewaltiger Martin aus dem Osten Deutschlands mit seinen Thesen die Welt erschüttert hat, könnte sein Vornamens-vetter aus dem Westen dieselbe vielleicht auch ein klein wenig aus den etwas verrosteten Angeln heben. Und bei dem Aussehen von Martin Schulz könnte ich mir vorstellen, dass der weise Uhu vielleicht sein Lieblingstier ist. Und der soll ja immer wieder mal die ein – oder andere Kröte vertilgen.

Aber wir wollen mal nicht so sein, und schicken dieselbe einfach in den wohlverdienten Ruhestand. Denn ein solcher steht Angela Merkel besonders nach dem vierten groben Schnitzer ihrer Karriere, der ohne jeden Zweifel mit dem dritten in Verbindung steht, in allerhöchstem Maße zu. Also sie einige Monate nach dem Vorfall mit Reem, im Zusammenhang mit der Übernahme der syrischen Flüchtlinge aus Ungarn, ein scheinbar beherztes “Wir schaffen das“ in den politischen Tagesäther entließ, steckte ihr diese junge Dame aus dem Libanon, zumindest unbewusst, wohl immer noch ein wenig im Skelett. Und wieder geht es bei der ganzen Sache weit weniger um das, was sie gemacht hat, als vielmehr um das Wie ihres Tuns. Und hier kommen wir nach ihren drei psychologischen Schwächen, der Ängstlichkeit, der Kaltherzigkeit und der Sentimentalität zu ihrem zentralen Fehler, zu ihrer, vor allen Dingen was unser aller Zukunft betrifft, nicht mehr länger tragbaren Unfähigkeit, ihrer allzu oft drittklassigen Form der Kommunikation. Und die war im Fall der syrischen Flüchtlinge, um es gleichermaßen gelinde wie rustikal auszudrücken, beeschissen.

Ich möchte an dieser Stelle einmal über das sprechen, welches man allgemein hin die Zeichen der Zeit nennt. Das Leben in seinem gesteigerten Sinn, oder wie ich aus meinem persönlichen Glauben, den ich hier keineswegs verhehle, es ausdrücken würde, der “lebendige Gott“ gibt uns immer wieder Anhaltspunkte, wie es mit den “Wirkkräften der Evolution“ – einst sehr viel poetischer und vollständiger der “Heilige Geist“ genannt – denn zur Zeit so aussieht. Und das deutlichste Zeichen in Richtung Kommunikation via Politik war natürlich der erste afroamerikanische Präsident der vorläufig noch mächtigsten Nation der Erde, den nicht mehr ganz so Vereinigten Staaten von Amerika. Vieles von dem was Barack Obama sich an Veränderungen vorgenommen hatte, konnte er gegen die zementierte Opposition der Republikaner niemals durchsetzen. Einiges, darunter sehr Wichtiges hat er erreicht, und manchen kleinen bis größeren Fehler hat natürlich auch er begangen. Aber die Bedeutendste seiner Leistungen, und die hat er schon vor seiner Wahl erbracht, kann man auch heute noch bewundern: Die Qualität seiner Formulierungen und die rhythmische Gelassenheit seines gesamten Auftretens. Der Mann ist ganz einfach musikalisch im modernsten Sinne, im Sinne der klanglichen Revolution des zwanzigsten Jahrhunderts, im Sinne des Blues, Gospel, Jazz und seinen Nachfolgern unterwegs, heißt der Scheißkerl groovt einfach, und zwar geistig und körperlich, dass es rappelt. Dass dieser Umstand, plus einem untadeligen und lebendigen Familienleben so manchem Republikaner sauer aufgestoßen ist, muss uns keineswegs allzu sehr wundern. Und deshalb haben dieselben auch ihren leider etwas unfreiwillig herbei gerufenen Kandidaten, diesen Geistes-Goliath aller Bleichgesichter Amerikas, diesen Schrumpf-Faschisten für arbeitslose Selbstdarsteller schnurstracks aufs wackelige Tablett gebracht. Das ändert aber nichts daran, dass es der Evolution, dem “lieben Gott“ eine Herzensangelegenheit war, diesen debilen und bigotten Popcornpotentaten ausgerechnet einen “Ex-Sklaven“ als leuchtendes Vorbild in Sachen des Geistes und charakterlicher Integrität vors Gesicht zu setzen. Na ja, und speziell das Hören afroamerikanischer Musik, natürlich in möglichst hoher Qualität ist solchen Dingen wie Eleganz und Eloquenz im Geistigen, wie auch in Fragen des Herzens eher förderlich. Wer nun genauer wissen will, was Musik eigentlich mit Politik zu tun hat, den verweise ich auf mein Projektessay mit dem Titel “Musik-Team Trier“.

In der hier laufenden Abhandlung bleibt zum Thema Kommunikation in der deutschen Politik noch zu sagen, dass auch hier Martin Schulz die weit bessere Wahl gegenüber Merkel darstellt. Dieser Mann beherrscht nämlich nicht weniger als vier, und zwar die vier wichtigsten Sprachen die nähere politische Zukunft betreffend, im Rahmen von OK bis exzellent. Italien, Frankreich, Deutschland und England bilden den zentralen geschichtlichen und geographischen Kern Europas, des Kontinents, der wieder sehr viel aktiver in die Weltpolitik mit eingreifen muss, da zu befürchten steht, dass die “Kellner“ in Überseehausen sonst zu viele Tabletts fallen lassen, zu viel Geschirr zerdeppern. In demselben Maße wie die USA wieder provinzieller werden wird, müssen die Europäer, und ganz besonders das deutsche Volk urbaner, heißt cooler, moderner und zeitgemäßer werden. Und dass damit nicht eine plumpe Angleichung an die mittlerweile ziemlich unreflektiert- materialistische Kultur, und zwar nicht zuletzt der immer noch weltweit wirksamen Musik-Kultur der Amerikaner gemeint ist, sondern eine aus der fundamentalen geistigen Tradition der Europäer gespeiste, versteht sich von selbst. Im Falle der Musik würde das anschaulich vereinfacht etwas so heißen: Bach meets Miles Davis meets Brahms meets Bob Dylan meets Ravel meets Machine Head meets Wagner meets The Chemical Brothers meets Stravinsky meets Muddy Waters meets Verdi meets The Beatles meets Chopin meets Led Zeppelin und so weiter, und so weiter. Und für so eine gesamtkulturelle Nummer – und das ist jetzt sozusagen die “Moral von der Geschicht“ – fehlen unserer noch etwas krampfigen Nibelungen-Unke vom Dienst mit ihrem latenten “Dafür kann ich doch nichts“ Tonfall schlicht die angepassten Talente. Aber für etwas ganz anderes fehlen ihr dieselben keineswegs. Oder präziser, man braucht dafür im Wesentlichen gar nicht so viel Talent, oder genauer gesagt, ein allzu ausgeprägtes steht einer solchen Existenz sogar hochgradig im Wege.

Ich spreche von dem gefährlichsten Element unserer Zeit, von einem schwer bestimmbaren Etwas, das sich in der Person Angela Merkels in seiner ganzen äußerlichen Verharmlosung kristallisiert hat. Ich spreche von einem scheinharmonischen Zustand, der jedes weitergehende Rebellentum, zumindest oberflächlich betrachtet – und für eine tiefergehende Beschäftigung fehlt den meisten Menschen ebenso die Zeit und noch weit mehr die Lust –  aus den wohlmeinendsten Absichten heraus, schon im allerkleinsten Keim erstickt, Denn wenn der größte Rebell von allen, Jesus Christus, den heute offensichtlich kaum eine Seele noch in seiner ganzen Umfänglichkeit versteht, uns dieser Tage besuchen würde, wie er es in den “Brüdern Karamasoff“ von Dostojewski im Kapitel “Der Großinquisitor“ getan hat, und uns sein “Ihr lebt nicht nur vom Brot allein“ machtvoll entgegenschleudern würde, dann käme von der Chefvertreterin, von der Mutterkröte aller neuzeitlichen Hinrichtungsmethoden nur ein halb gequaktes und halb gepiepstes: „Aber siicher doch!! Denn wir geben euch noch einen arschvoll Butter, oder auch den veganen Ersatz dafür, plus 30 Sorten Leberwurst und 50 verschiedene Marmeladen dazu. Also stör hier nicht weiter rum, halt hier nicht den Betrieb auf, lieber Messias, und lass uns doch ruhig ein bisschen deine Credos verbeulen!“ Und so wird aus dem weltklugen “Gehet hin in Frieden“ ganz schnell das beschnittene, das kastrierte “Gehet hin zufrieden“. Und was das in Wahrheit bedeutet, hat niemand besser beschrieben, als der größte Humorphilosoph der Deutschen, als Joachim Ringelnatz im letzten Drittel seines Gedichtes “Der wilde Mann, die weiche Mann, das Vielemann“, oder in diesem Fall “das Vielefrau“. Dieses Gedicht stammt – nur so nebenbei – aus dem Jahre 1928. Und man stelle sich jetzt einfach mal vor, wie Frau Merkel das betonen würde:

Warum denn alles übertreiben?
Warum den links, warum den rechts?
Um Gottes Willen, lasst uns mäßig bleiben,
Nicht männlichen, nicht weiblichen Geschlechts.

Hübsch angepasst, und jede Reibung meiden!
Nicht hart, nicht weich! Nicht ja, nicht Nein!
Auf alles Hören und sich nie entscheiden.
Wer weiß, wie`s kommt. Man muss gewappnet sein.

Denn golden ist der goldene Weg der Mitte.
Man isst und zeugt und schläft schön ungestört,
regt sich nicht auf um „danke“ oder „bitte“
Und weiß und lebt und stirbt, wie sich`s gehört.

„Denn golden ist der goldene Weg der Mitte“? Gehen da vielleicht jetzt dem einen oder anderen deutschen Ohnemichel ein paar Lichtlein auf? Was man in diesem Gedicht von Ringelnatz, besonders in den letzten vier Zeilen erblickt, ist der tiefenpsychologische Grund der nahezu, aber gottseidank nur nahezu unbestimmbaren Form eines weiblichen Faschismus, der hier sein ursprünglichstes Gebaren, seine Sucht nach Gleichmacherei offenbart, die wiederum der schon hinlänglich erwähnten und nicht weniger grundsätzlichen Verweigerung gegenüber dem direkten, unmittelbaren Konflikt entspringt. Und mit diesem Konflikt ist wirklich das Auge in Auge, das Stirn an Stirn-Auseinandersetzen gemeint, wie wir sie aus geistigen wie körperlichen Revierkämpfen kennen. Und wenn heute so mancher “Stier“ wieder die politische Bildfläche betritt, ein Typus, den vor allen Dingen die ziemlich arrogant verschlafene Gutgemeint-Mitte aller, und ich meine aller Parteien und Nicht-Parteien gar nicht mehr auf ihrer etwas blutleeren, oder besser zwanghaft blutfreien, ach so humanistischen Agenda hatten – deshalb haben übrigens selbst die intelligentesten dieser Mitte es für absolut unmöglich erklärt, dass ein Trump jemals Präsident werden könnte – so haben wir diese “Stiere“, diese politischen Kampfhunde eben genau dieser, immer sich etwas wegduckenden, aber gleichzeitig auch geistig arroganten, jedes körperlich sich aufspielende Verhalten verächtlich betrachtenden Art und Weise einer Merkel, eines Hollandes, um nur die absoluten Spitzen zu nennen, und leider auch ein wenig einem Barack Obama zu verdanken. Sein “Russia is a regional power“ war schlicht selten dämlich, und breitete die größte Schwäche eines linken offenherzigen Idealismus – der in diesem einen Punkt der rechten, engstirnigeren Variante à la Hitler ziemlich ähnlich sieht – nämlich die einfache, aus tiefer menschlicher Eitelkeit geborene Verwechslung von Wunsch und Wirklichkeit, auf das Deutlichste aus. „Dieser Putin ist einfach ein giftiger, muskulöser Gartenzwerg, der in meiner coolen Erlebniseinheit gar nicht vorkommt. Also degradiere ich das größte Land der Welt einfach mal zum Kleinstaat!“ Netter Versuch, Herr Obama, aber vielleicht überlassen sie uns Europäern in Zukunft die Einschätzung Russlands, da wir mit denselben doch noch eine etwas tiefere Verbindung haben. Aber nun wieder zurück zu Mutti.

Denn in diesem wahrhaft goldenen “Golden“ aus dem “Golden ist der goldene Weg der Mitte“ stecken noch andere Sprengköpfe philo-psychologischer Aussagekraft. Und hier kommen wir auf die ein wenig asiatische, auf die kollektivistische Seite unserer Frau Bundeskröte zu sprechen. Und vielleicht ist ja ihre Raute, die ja eigentlich ein Drachenviereck ist, doch die geometrisch durchaus passende Darstellung ihres possierlichen Lieblingstieres. Dann wäre nämlich das größere Loch, was sich in der oberen Mitte ergibt, der Kopf davon.

Die sogenannte goldene Mitte, den goldenen Mittelweg kann man vielleicht am besten als die etwas hausbackene Variante des Yin-Yang Prinzips der Chinesen, die sich ja bekanntermaßen auch das “Reich der Mitte“ nennen, bezeichnen. Dieses Yin-Yang ist das unbestritten wichtigste Instrument des Ausgleiches in der Welt der Vielheiten. Es sorgt für die nötige Balance alles Lebendigen, von einfacher Polarität ausgehend, bis hin zum farbenfrohsten, differenziertesten Beziehungsgeflecht. Aber in der Merkel-Version, in der ängstlichen Ausgabe, in der vergoldeten – “denn Golden ist der goldene Weg der Mitte“ – also sehr materialistischen Form, ist es zusätzlich ein Instrument, und zwar ein sehr “liebevoll“ gemeintes – wir sprechen ja immer noch von Mutti – zur Unterdrückung von Extremen jedweder Art. Das bedeutet in seiner letzten Konsequenz, dass sich selbst die Hochbegabten, aus welcher Disziplin sie auch immer kommen mögen, bitte stets höflich und politisch korrekt verhalten sollen. Sonst ist unser Matriarchats-Lurch “not amused“, wie man bei der eiter-heiteren Erdogan-Nummer von Jan Böhmermann, einem der wenigen, die sich nicht immer Regelkonform verhalten, sehen konnte. Und dass es ausgerechnet einem Kümmeltürken wie Serdar Somuncu überlassen bleibt – schönen Gruß an den gerade eben lustvoll beleidigten – mithilfe seines selten unverschämten Mundwerks die letzten Reste gerrrmaaanischer Kampffkkraft zu mobilisieren, spricht so was von Bände, das gibt`s nicht. Aber noch hat die gute Angela nicht alles totgebügelt.

In der Summe bleibt noch zu sagen, dass wenn Frau Merkel die Kanzlerin von China, und nicht von Deutschland wäre, würde das “Land des Lächelns“ nicht mehr das “Reich der Mitte°, sondern das “Reich der Mittelmäßigen“ sein. Da würden sich zumindest Yuja Wang und Yundi Li, zwei nicht ganz üble Schwarzweiß-Virtuosen aber mächtig beschweren. Um noch kurz bei der Musik zu bleiben, alle Kenner der klassischen Musik werden verstehen was ich meine, wenn ich sage, dass ein Joseph Haydn in diesem biederliberalen Bett, dass uns hier gezimmert wurde, noch seinen Platz bekäme, ein Mozart, oder gar ein Beethoven mitnichten. So viel Rebell und Genie gleichzeitig ist dieser Form von mütterlichem Genügsamkeits-Wahn definitiv zwei Nummern zu groß, und zu suspekt.

Was unsere amtlich beglaubigte Türsteherin von ihrem größten Antipoden, von Adolf Hitler, dem bedeutendsten Vertreter des männlichen Faschismus unterscheidet – es hat doch wohl niemand ernsthaft angenommen, ich würde diese Beiden auf ein und dieselbe Stufe stellen – ist der Umstand, dass dieser seine tiefempfundene Mittelmäßigkeit, unter der sein, jede Vorstellung von Maßlosigkeit sprengendes Ego, unerträglich gelitten hat, mit aller ihm zur Verfügung stehenden Gewalt zu vertuschen suchte. Deshalb wurde er “der Führer“. Und das war auch, zumindest aus seinem persönlichsten Empfinden heraus, der wahre Grund, warum er dieses eher kleine, aber nicht zuletzt auch psychologisch so scharfsinnige und hochbegabte jüdische Volk zuerst nur aus seinen Augen – aber als er merkte, dass das nicht ging – aus der Welt schaffen wollte. War also für diesen entlaufenen Österreicher seine Mittelmäßigkeit ein Fluch, so ist sie für Angela Merkel ein Segen. Denn gerade diese halb falsche, halb echte Mütterlichkeit, macht sie nach innen machtfähig, und nach außen machtwürdig. Und sie wurde, ein wenig gegen ihren eigenen Willen zur “volkseigenen“ Mutti erklärt. Und bei allen eklatanten Unterschieden vom männlichen zum weiblichen Faschismus sollte man den gefährlichen Unfug, den so eine Dame mit fest eingebauten Giftdrüsen in der Unterhaut teils absichtsvoll, teils aus Versehen noch anrichten kann, nicht unterschätzen. Und wenn Martin Schulz einen der kleineren, oder doch eher größeren psychologischen Tricks von ihr als einen “Anschlag auf die Demokratie“ bezeichnet, ist er keineswegs im Unrecht. Aber noch ist alles gut bis mittelschlecht. Angela Merkel ist nun genau so lange an der Regierung, wie Adolf Hitler es war. Und beide haben oder hatten ein Faible für die Musik Richard Wagners. Nein, auf diese Übereinstimmung gehe ich an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit noch etwas genauer ein. Hier bleibt nur noch zu sagen, dass uns das milde, weibliche Diktat der Frau Merkel, im Gegensatz zur wilden, männlichen Diktatur des Herrn Schicklgruber ein zwar geschmacklich massiv, aber geistig nur mittelschwer beschädigtes, dafür aber moralisch und körperlich, also finanziell ziemlich stabiles Land hinterlässt. Und wenn wir wollen, dass das so bleibt, müssen wir, wieder im Gegensatz zum Dritten Reich niemanden von auswärts provozieren, so dass er uns befreit. Wir könnten, und wenn nur zum Spaß, einfach vergessen sie beim nächsten Mal zu wählen. Und damit sie darüber nicht zu traurig ist singen wir ihr jetzt – denn ich bin ja eigentlich im Erstberuf Musiker – ein bekanntes deutsches Volkslied, welches im Original sehr gut zum Klimawandel passt. Alle mitsingen!

 

Merkel ade

Scheiden tut weh

Aber dein Scheiden macht

dass uns das Herze lacht

Merkel adieu

Deutschland sagt:

Tschö!