Musik-Team Trier

Eine gleichfalls geistreiche wie hochenergetische Herangehensweise an das Thema der systematischen Förderung der freien Musikszene Deutschlands, wie auch dem Heranbilden einer adäquaten Hörerschaft für dieselbe, ist die Wurzel dieser umfangreichen und tiefgehenden Betrachtung der kulturellen Wirklichkeiten unseres Landes Von dort geht man auf eine zuweilen fantastisch-anmutende, stramm-philosophisch wie abenteuerliche, und nicht zuletzt sehr amüsante Reise quer durch die reichhaltigen Liegenschaften der Religion und der Politik.


Was hat man sich unter Musik-Team Trier vorzustellen?

Ziemlich genau das, was sich im Namen schon vorsichtig andeutet. Derselbe meint, in Anlehnung an den Sport, eine Gemeinschaft von Singer-Songwritern, Bands, Sängern, Musikern und Musikpädagogen, die sich unter klar bestimmten Zielsetzungen zusammenfinden. Geführt, verwaltet und betreut wird das Ganze von Heinrich Thiel und Daniel Bukowski. Vom Ersteren in seiner Funktion als Komponist und Lehrer im Bereich Songwriting, Harmonielehre, Klavierspiel, Gesang und Arrangement, vom Zweiten in seiner Eigenschaft als Komponist, Produzent, Studiobesitzer und Inhaber eines Musikverlages. Auch die politischen Arbeiten, die für dieses Projekt unerlässlich sind, werden von beiden wahrgenommen.

Was genau sind die Zielsetzungen des Teams?

Als Erstes eine gut wahrnehmbare musikalische Organisation abzubilden, die das Interesse von staatlichen und privaten Institutionen erregt. Dann dieselben Einrichtungen nachhaltig davon zu überzeugen, das Musik-Team als Ganzes wie auch die einzelnen Mitglieder in ihrer Arbeit finanziell und anderweitig zu unterstützen. Und zuletzt, daraus resultierend, eine symbiotische Verbindung der Interessen des Musik-Teams und der Stadt Trier zu ermöglichen.

 

Wie sieht das im konkreten Fall aus? 

Das sieht so aus, dass diese offiziell vom Staat unterstützten Künstler im Forum des Musik-Teams als Werbeträger für die Stadt Trier auftreten. Gemeinschaftskonzerte unterschiedlicher Größenordnung sollen in bewusster Analogie zur Mannschaft im Sport das kulturelle Niveau der Stadt in bestmöglicher Form dokumentieren. Und das natürlich innerhalb, sowie auch weit außerhalb Triers. Im Idealfall würden sich auch in anderen Städten solche Teams bilden, mit denen man auf ernsthafter Basis in spielerischer Form wetteifern könnte. Vor allen Dingen im frühen Jazz waren solche musikalischen Auseinandersetzungen zwischen Bands oder auch einzelnen Musiken an der Tagesordnung. Und diese “Battles“ haben ohne den geringsten Zweifel Entscheidendes zur natürlichen Dynamik moderner Musikentwicklung beigetragen.

 

Was ist von dem Musik-Team sonst noch zu erwarten?

Neben den Live-Konzerten wären da zuerst einmal die regelmäßige Durchführung von Studioproduktionen und die rechtliche Einbindung der geistigen Urheber in ein geordnetes Verlagswesen. Über ein entsprechend umfängliches und professionelles Marketing kann man erst Genaueres sagen, wenn die notwendige Finanzierung dafür in trockenen Tüchern ist. Dazu muss man letzten Endes auch noch die passenden Leute mit an Bord dieses Projektes nehmen.

 

Wie ist es um den pädagogischen Bereich bestellt?

Hier gelangen wir zu den unverzichtbaren Grundlagen des Musik-Teams. Die alles entscheidende Motivation desselben ist, die Qualität der sogenannten U-Musik in Deutschland nachhaltig, das heißt auf längere Zeit hin, deutlich zu verbessern. Das wird nur gelingen, wenn man, in Form von Unterricht und entsprechend offen geführten Dialogen gleichermaßen entspannt und systematisch die handwerklichen, wie auch die kreativen Fähigkeiten der Mitglieder entwickelt und weitergehend fördert. Natürlich sind auch erfahrene Musiker, die vielleicht nur noch den Dialog benötigen, herzlich eingeladen dem Musik-Team beizutreten. Unter U-Musik verstehen wir übrigens den Bereich von Jazz bis Techno, also alle Formate außer der europäischen Klassik. Dass auch diese sich in ihrem ganzen Reichtum mit einbringen kann, ist nicht nur selbstverständlich, sondern sogar ausdrücklich erwünscht.

 

Und wer oder was entscheidet über Qualität oder Nicht-Qualität eines Songs oder eines Musik-Stückes?

Hierzu entsteht durch Heinrich Thiel, der für den geistigen Überbau, also für die grundlegende Philosophie der ganzen Sache verantwortlich zeichnet, noch ein ästhetisches Manifest, das diese Fragen bis ins kleinste Detail erörtern wird. An dieser Stelle sei nur so viel dazu gesagt, dass er ebenso eloquent und gut nachvollziehbar erklären kann, warum “Alle mein Entchen“ gleichermaßen in die Kategorie “Meisterwerk“ gehört, wie die H-Moll Messe von Bach.

 

Sind noch weitere Aktivitäten geplant?

Allerdings! Der vielleicht wichtigste Teil des ganzen Unternehmens besteht letztlich darin, auch einem bewussteren und ästhetisch gebildeteren Publikum den Boden zu bereiten. Das heißt, wir müssen parallel zur Steigerung des musikalischen Niveaus auch die Wahrnehmungsfähigkeit des Hörers, des potentiellen Konsumenten verbessern. In diesem Sinne sucht das Musik-Team auch den direkten Austausch mit den Schulen, um dort Vorführungen verschiedenster Art in den Unterricht zu integrieren. Vom kleinen ästhetischen Vortrag bis zu handgreiflicheren Dingen ist da einiges möglich. Diese Arbeit lässt sich natürlich auch auf ein erwachseneres Publikum ausdehnen.

 

Sonst noch was?

Ja, noch ein paar Worte zu den Aufnahmebedingungen in das Team: Die an der Teilnahme interessierten Singer-Songwriter oder Bands sollten zwei Songs im Gepäck haben, die den noch genauer zu definierenden Qualitätsmerkmalen entsprechen. Natürlich helfen wir auch gerne, die erforderlichen zwei Songs erst noch zu erarbeiten, wenn dazu noch die Hilfe von außen benötigt wird. Auch Kreativität muss und kann innerhalb gewisser Grenzen erlernt werden. Die Sänger und Musiker, die den Produktionen sozusagen nur zuarbeiten, sind von dieser Bedingung natürlich befreit. Aber auch für diese gilt, dass sie 200 Euro auf ein Projektkonto einzahlen müssen, und zwar zuallererst um die Ernsthaftigkeit ihres Beitritts in das Musik-Team klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen.

 

Aber was ist eigentlich der tiefere Beweggrund für diese besondere Form musikalischer Gemeinschaft?

Das vordergründige Ziel ist es, das Niveau der deutschen Unterhaltungsmusik nachhaltig zu steigern. Um allerdings den wahren Beweggrund deutlich werden zu lassen und gleichzeitig eindringlich darauf hinzuweisen, dass diesem Projekt nicht der Rang eines spleenigen Luxusgeschöpfes, sondern vielmehr der einer, sagen wir, freudvollen Notwendigkeit zukommt, müssen wir etwas in die Tiefe gehen. Aber vorab möchte ich zu meinen nicht ganz orthodoxen Thesen und meiner Art und Weise des Argumentierens noch eine kleine Erklärung abgeben. Bei meinen Ausführungen steht das Erlebnis gegenüber dem Gedanken etwas mehr im Vordergrund. Das bedeutet, meine durchaus empfundene Wissenschaftlichkeit stützt sich nicht so sehr auf Messbares, sondern weit mehr auf einen sehr lange und intensiv reflektierten Erlebnishorizont. Das bedeutet, ich arbeite mehr aus dem Ganzen ins Einzelne und nicht umgekehrt. Das berühmte “Cogito ergo sum“, das in seiner Zeit die modernen Naturwissenschaften begründende “Ich denke, also bin ich“, lautet daher nun: “Ich bin, also denke ich“. Meine Darlegungen gehen daher eher den Weg vom Unbewussten ins Bewusste, oder musikalisch ausgedrückt, vom Unbestimmten ins Bestimmte. Das ist auch der Grund, warum ich die Musik als das erkenne, was sie eigentlich ist; als das ganzheitlichste und erlebnistiefste Mittel zur Kommunikation, das ich zwar nicht übersetzen muss, um es zu erleben, aber sehr wohl erklären, um es vollständig, und damit wirklich nutzbar werden zu lassen. Und mein festester Glaube ist es, dass die Nutzbarmachung dieses fundamentalsten universellen Sprachmittels die allererste Voraussetzung für das Weiterbestehen der Menschheit ist. Niemand gibt dieser Anschauung mehr ungewolltes Futter, als ein gewisser Donald J. Trump und sein umgangssprachlich gewordener Ausdruck “Fake News“. Derselbe ist ein ganz richtiger Hinweis auf die als grundsätzlich zweideutig empfundene Wirksamkeit menschlicher Sprachen. Das liegt übrigens daran, dass deren wesentliche Qualität in der gedanklichen, also begrifflichen Benennung des Einzelnen, also im voneinander trennenden Element, und nicht im ganzheitlichen Erlebnis begründet ist. Das gewinnt erst im Poetischen die Oberhand. In der Musik dagegen ist das Erlebnishafte, und im Besonderen das Bauchgefühl, der Rhythmus, manchmal pulsdominiert, also punktartig, manchmal atemdominiert, also wellenförmig, immer an erster Stelle. Und bei den noch etwas verkopften Individuen, bei denen das selbst heute, nach der afroamerikanischen Revolution, dem Jazz und seinen Nachfolgern, noch immer nicht der Fall ist, bei denen wird es dann jetzt, wie sagt man so schön, allerhöchste europäische Eisenbahn. Um jetzt noch dem Umstand gerecht zu werden, dass ich mich in meinen Ausführungen ziemlich sorgenfrei zwischen Musik, Politik und Religion hin und her bewege, bleibt zu sagen, dass wer im heutigen Geschichtsunterricht bei Napoleon angekommen ist und in derselben Stunde nicht auf dessen wichtigsten Zeitgenossen im Geiste, nämlich Ludwig van Beethoven angemessen eingeht, der verfehlt, und zwar zu 100 Prozent das Thema. Und das besagt, dass die Welt nicht aus netten, schön gerade und parallel gezogenen und deshalb übersichtlichen Linien beschaffen ist, sondern aus kreuz und quer geführten Verbindungen besteht. Und das setzt ein Bildungssystem voraus, das speziell den künstlerischen Fächern die notwendige Aufmerksamkeit entgegenbringt. Denn nichts fördert neben vielen anderen Dingen auch die Beweglichkeit des Denkens so sehr wie das tiefere Verständnis von Musik, Malerei und Literatur. Bevor es losgeht, noch ein paar Worte über den Humor, der bei mir zum Einsatz kommt. Derselbe ist nichts anderes als der Ausdruck tiefer Ernsthaftigkeit. Und das Vorbild dafür ist kein Geringerer als Charlie Chaplin und sein Film “Der große Diktator“. Diese Satire über Adolf Hitler und das Dritte Reich ist mit Abstand  die tiefsinnigste Analyse zu diesem komplexen Thema. Kein Historiker hat diesen Mann und seine Zeit so gut verstanden wie dieser genialste Clown des zwanzigsten Jahrhunderts. Denn den wirklich ernsten Dingen kommt man nur mit Humor bei.

 

Nun aber zum Thema!

Am Anfang der sogenannten Pop-Musik befand sich beim Verfassen der Songs das Verhältnis von kommerzieller zu künstlerischer Motivation noch im Gleichgewicht. An keiner Band lässt sich das besser aufzeigen als an den Beatles. Diese wirtschaftlich erfolgreichste Band ihrer Zeit war auch im Kreativen die Vielseitigste. Man sang melancholische Pop-Songs, Rockgeschichten weicher als auch härterer Gangart, an die Naturmystik von Joni Mitchell gemahnende Folksongs, jazzaffines Material, brillant-alberne Karibik-Schlager, elektronisch veränderte, wie auch von europäischer Klassik inspirierte Melodien. Im Klartext: Man schrieb munter und meist ziemlich intelligent drauf los, so wie man das heute, besonders in den letzten zehn Jahren im Gesamten aller Bands wieder erleben kann. Ein Gesamtes, welches die Beatles in großen Teilen vorweg genommen haben. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied von damals zu heute!

Und der wäre? 

Während es früher, die Charakteristik und das kompositorische Niveau betreffend, sehr unterschiedlichen Songs gelungen ist die Spitze der Popularität zu erreichen, also sogenannte Welthits zu werden, hört sich das heutige kommerzielle Gipfeltreffen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, schauderhaft einförmig an. Der wachsame Geist kommt nicht umhin – Achtung, hartes aber wahres Wort – eine faschistische Gleichmacherei besonders im Sounddesign zu konstatieren. Um hier nur ein Einzelnes, dafür aber ziemlich prägnantes Beispiel anzuführen: Der Hyper-Materialismus dieser dumpf-furzenden King Cobra des Schlager-Technos, die Schlang-Welt von H.P. Baxxter, dessen Minderwertigkeitskomplexe so tiefsitzend, so absolut sein müssen, dass diese, mit der Hilfe, von sich selbst beständig auf die zu Tode erkälteten Nerven gehenden, rülps-roboternden Syntie-Klängen, von morgens bis abends gegen den Himmel an wüten. Der Gleichklang, den dieser dröhnende Darm-Dildo für funktions-faschistoide Freizeitameisen,  dieser Luzifer aller heimatlosen Hüpfbälle, seiner Mitwelt verordnet, suggeriert – ein Wort, dessen Grad an Absurdität in Bezug auf die hier angesprochene Lautstärke nicht mehr zu überbieten ist – dass er am liebsten immer größer und größer und größer werden möchte, es aber wegen seiner grundlegenden geistigen Defizite einfach nicht zustande bringt. Diese und alle ihr artverwandte Musik – und ich spreche hier natürlich nicht von den besseren Sachen von Daft Punk, Fatboy Slim, den Chemical Brothers und anderem endcoolen Zeug – ist der “Dampfhammer des Teufels“, ist die “Dumpf- und Stumpf-Säge Satans“, ist der “Holocaust für Hirnzellen“! Mehr körperlich veräußerter Faschismus geht nicht. Ähnlich lustig-frustige Lieder könnte man auch, im Besonderen natürlich über die amerikanische Filmindustrie, singen. Ach, und den brachialen Sound von Scooter gibt es nun schon etwas länger auch in der “menschenfreundlichen“ Hand- und Fußcreme-Ausgabe vom Country-Pop-Püppchen Taylor Swift. Es muss ja für jeden nicht vorhandenen Geschmack was dabei sein. Und diese ganze Entwicklung begründet sich keineswegs aus irgendeinem bösen, und schon gar nicht politischen Willen heraus, sondern einfach nur aus dem als längst vollkommen natürlich empfundenen Stumpfsinn reiner Profitgier. Oder neutraler und noch gefährlicher, aus der als gleichermaßen natürlich empfundenen Gewohnheit reinen Profitdenkens. An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich betonen, dass mir persönlich jede Art von genereller Verurteilung – denn das eben war eine ziemlich kraftvolle Beurteilung – fremd ist. Ein innerer Zustand, an dem ich übrigens einige Jahre mit Leidenschaft gearbeitet habe um ihn zu erreichen. Denn egal ob Techno, Pop, Jazz, Metal, ob feinsinnige Komposition oder simples, massentaugliches  Mitsingliedchen, alles hat nicht nur seine Berechtigung, sondern auch seine wichtige Funktion im Lebensgefüge der Menschen. Entscheidend ist dabei allerdings das kleine Wörtchen Balance.

 

Von welcher Balance ist die Rede?

Von zweierlei Art, um genau zu sein. Zuerst von der, dass heute genauso viel herausragendes Songmaterial produziert wird wie damals, nur gelangt dasselbe in den meisten Fällen nicht vor eine breite Hörerschaft. Heißt, das Beste was unsere Zeit zu bieten hat, geht mehr oder weniger gediegen im schon erwähnten gleichförmig produzierten Sound unter. Hier schließt sich also der Kreis zu meiner anfänglichen Behauptung, dass das Gleichgewicht zwischen kommerzieller und künstlerischer Motivation heute im Gegensatz zu früher nicht mehr gegeben ist. Und wie schon gesagt; das geschieht aus dem natürlichen Stumpfsinn des Systems  heraus. In demselben wird man deshalb auf direkte Weise auch nicht viel verändern können. Zumal das Denken, das diesem System zugrunde liegt nicht aus Deutschland, sondern aus England und in noch exaltierterer Form aus den Vereinigten Staaten kommt. Dort hat man, und in früheren Zeiten vollkommen zu Recht, auch in der Musikkultur immer dem freien Spiel der Kräfte vertraut. Da man sich heute in Amerika, Stichwort Filmindustrie, immer mehr auf plumpe Wiederholungen verlässt, anstelle wirklich Neues zu schaffen, treten die Mängel dieses Systems, oder besser fehlenden Systems, deutlich zu Tage. Und wenn die Amerikaner eine schon fast comichafte Ausprägung dieser markwirtschaftlichen Philosophie zu ihrem Präsidenten wählen, dann ist das nur das etwas zu blonde, zu blaue und vermutlich zu blöde i-Tüpfelchen dieser einstmaligen Erfolgsstory. Da nun aber die väterlichen Vorfahren von Herrn Trump aus der Pfalz stammen, kehren wir nach Deutschland zurück und sprechen über die zweite noch entscheidendere Variante des Gleichgewichts.

 

Von welcher Art ist diese zweite Balance?

Während die erste mit dem Ausgleich von Geld und Hingabe, von Zweckhaftem und Zweckfreiem, also von Lust und Liebe beschäftigt ist, kümmert sich die zweite um ein etwas sublimeres, soziokulturelles Phänomen, um den mittleren der drei Begriffe aus dem Wahlspruch unserer werten französischen Nachbarn, um die Gleichheit und ihre nonchalante Angewohnheit ebenso häufig wie gründlich missverstanden zu werden. Das richtige Verständnis von Gleichheit meint: Gleichheit der Möglichkeiten. Der dagegen etwas zum Grenzdebilen neigende Verwandte versteht darunter eher Gleichmachung, Einebnung und nicht selten aktive Unterdrückung des Besonderen. Oder weit präziser, Unterdrückung des besonders Qualifizierten, keineswegs des, Stichwort i-Tüpfelchen, besonders Unqualifizierten. Sonst wäre der Erfolg eines weitgehend talentfreien “Hanswurst in allen Gassen“ wie Dieter Bohlen kaum zu erklären. Und an dieser Stelle muss man ausdrücklich betonen, dass weder ein Herr Trump, ein Herr Bohlen noch ein Fräulein Katzenberger für den groben Unfug, den sie treiben, zu verurteilen sind. Nein, ihre Existenz entspricht einfach ganz und gar einer Welt, in der das Lügen, das Fälschen, das Verheimlichen, und ganz besonders der schlechte Geschmack, ein klein wenig zu sehr in Mode gekommen sind. Und schlechter Geschmack, und das gilt keineswegs nur für die künstlerischen Fächer, meint in unserer heutigen, sozusagen totalen also etwas paradoxen, sozusagen goebbelesken Demokratie, in der nur wenige eine Ahnung aber viele eine Meinung, und zwar zu fast allem haben, etwas weitaus Grundsätzlicheres als man für gemeinhin annimmt. Schlechter Geschmack heißt hier und heute die ebenso penetrante wie dauerhafte Anwesenheit komplett geistfreier Zonen. Und genau aus diesen selbigen speist sich die krude Existenz von Mister Trump. Dieser Popcorn-Mussolini für Playmobil-Fanatiker ist also keineswegs die überraschendste Überraschung aller Überraschungen, sondern vielmehr die konsequenteste Konsequenz aller Konsequenzen. Er ist einfach die logische Folge der unseligen Handlungsweise, den Kulturtrash, den kreativen Müll, nämlich, und ich betone, nicht gewalttätige sondern gewaltfetischistische und ekelfixierte Produkte wie die Saw-Reihe, die Band Rammstein oder Dschungelcamp und Company, nicht am Rande der Stadt zu lagern wo er hingehört und früher auch war, sondern ihn ebenso munter wie unbekümmert im Hochglanzformat – mitunter mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet – tonnenweise in der Innenstadt aufzutürmen. Und die durch missverstandene Liberalität, “sie müssen das ja nicht einschalten“, begünstigte Krönung der dumm-dreisten Unverschämtheit ist es, sich dann darüber zu wundern, dass es stinkt. Diese ganz spezielle Liberalität, diese müde Toleranz ist in ihrem Ursprung übrigens nichts anderes als tiefe Gleichgültigkeit, eine Art spaßhafte Form elementarer Resignation, wie sie vollständig übersättigten Kulturen nun mal zu eigen ist. Dieser letzte Satz gibt übrigens die innerste und grundlegendste Befindlichkeit des erfolgreichsten musikalischen Exportproduktes der Bundesrepublik Deutschland, der Band Rammstein, nahezu eins zu eins wieder. Ja, wir fahren zu unserer wohlwollenden und manchmal etwas zu diplomatieverliebten, und daraus immer mal wieder gänzlich diplomatieunfähigen, aber doch alles in allem eher klugen aber wenig kreativen Kanzlerin in der Kultur ein ziemlich düsteres Kontrastprogramm. Und damit hier keine schwerwiegenderen Missverständnisse entstehen, ich liebe Horrorfilme seit meiner Kindheit, und zwar in jedweder Form und Thematik. Und in meinem CD-Regal befinden sich Scheiben von Manson, Slipknot, Machine Head und anderen Metal-Bands noch härterer Gangart. Aber eben keine einzige von Rammstein, und dafür habe ich sehr gute Gründe, über die ich mich zu gegebener Zeit auslassen werde. Zusammenfassend betrachtet, das meiste bis hierhin Beschriebene gründet auf dem Umstand, dass die Menschen noch nicht in vollem Umfang registriert haben, dass die Medien in all ihren Varianten und all ihren Produkten weit mächtiger geworden sind als die Politik. Zumindest das hat Donald Trump verstanden. Er ist ja auch kein Politiker, sondern ein triebhafter Selbstdarsteller. Wie auch der Mann aus Braunau. Der war ein verhinderter, weil nicht gerade überragend begabter Maler, der ein ziemlich zähes Büchlein geschrieben hat, und am allerliebsten ein Musiker, nämlich Richard Wagner gewesen wäre. Klingelt da vielleicht was? Oder wie Biff aus “Back to the Future” sagen würde: “Anybody home?“ Ja, die politische Kultur ist in Deutschland, zumindest vordergründig in weit besserer Verfassung als die künstlerische. Aber die Erstgenannte gründet nun mal auf die Zweite, und nicht umgekehrt. Und zwar ganz besonders im sogenannten Medienzeitalter. Und wenn wir daraus nicht die richtigen Schlüsse ziehen, dann war Monsieur Trump nur der warnende Hinweis auf ein veritables, bald einrückendes kleines Heer von Lust-und-Laune geführten Stümpern jedweder Couleur. Und die werden uns dieselbe Antwort geben, die ein ausgetriebener, aber gutgelaunter Dämon Jesus Christus auf die Frage nach seinem Namen gegeben hat: “Mein Name ist Legion“!!!

 

Aber was ist nun der wahre Ursprung für die Bevorzugung des weniger Qualifizierten?

Der unmittelbare Grund ist die Zementierung des Mittelmäßigen. Denn dort ist man an der Erhaltung des Besitzstandes am meisten interessiert. Nichts gefährdet denselben so sehr wie eine wirkliche Begabung, oder gar ein Genie. Was nun den tieferen Beweggrund der Bevorzugung von weniger Qualifizierten angeht, so ist die, mehr oder weniger unfreiwillige Machtübergabe der Begabten an die weniger Begabten, relativ leicht zu erklären. Und ein Hauch höchster Ironie wird diese Erklärung beständig begleiten. Die Sache verhält sich in der Regel nämlich so, dass die begabteren Individuen durch ihr höheres, kreatives Output in Kunst, Religion und Wissenschaft die Gleichheit der Möglichkeiten so nachhaltig entstehen lassen, dass nun wirklich alle Menschen, und das heißt auch die, deren Fähigkeit in erster Linie im Betrügen und Manipulieren ihrer Mitmenschen zum Ausdruck kommt, darauf zurückgreifen können. Und wenn ich Herrn Bohlen nun, um nur ein extrem anschauliches Beispiel zu geben, eine der bemerkenswertesten Früchte dieser kreativen Höchstleistungen, nämlich sein ziemlich teures Mischpult und seine Sounddateien weg nehmen würde, dann könnte jeder taubstumme Straßenkehrer hören, dass die rein musikalischen Talente dieses ständig verkaufsoffenen Sonnenbank-Mephistos locker in jede Besenkammer passen. Und selbst dort würde man danach noch suchen wie nach Ostereiern im Teutoburger Wald.

 

Warum so aggressiv, so zornig, so vehement, Monsieur?

Weil es dafür, wie war das nochmal, höchste, oder besser allerhöchste Eisenbahn ist. Und weil die technische Revolution und ihre praktischen  Ergebnisse der letzten dreißig Jahre jeden durchschnittlichen Dorfmusikanten bis hinauf zum vermeintlichen Superstar katapultieren kann – und auch schon tut. Und jetzt raten Sie mal: Das ist auch gut so. Womit wir den höchsten Aussichtspunkt des Paradoxons, den glühenden Kern der Wirklichkeit, die permanente Ambivalenz des menschlichen Daseins erreicht hätten.

 

Schön!! Kommen wir dann jetzt langsam mal ans Eingemachte?

Durchaus möglich, wenn nicht gar wahrscheinlich. Aber da unser Thema die Erhaltung des Besonderen, die weitaus gezieltere Förderung alles Begabten, und damit systematischere Begünstigung des Genialen ist, müssen wir uns, um das Eingemachte angemessen servieren zu können, mit der Wurzel des Ganzen, mit der Religion auseinander setzen. Aber bevor wir das tun, möchte ich noch einmal bekräftigen, dass es mir nicht um die Errichtung einer elitären Kultur, sondern um die feinnervige Ausbalancierung des Quantitativen mit dem Qualitativen geht. Um den lebendigen Ausgleich zwischen der Norm und der Ausnahme. Denn nichts anderes verlangt unsere emotional und geistig so differenzierte Zeit von uns. Und nichts anderes schützt uns wirkungsvoller vor dem Schlimmsten, das der modernen Menschheit ins Haus steht, vor einem betont weichen, fast unbemerkten Faschismus, der sich mitnichten alleine auf Trump, auf die AFD, auf islamistische Terroristen oder andere scheinbar rein reaktionäre Merkwürdigkeiten stützt, sondern auf uns alle, auf jeden Einzelnen von uns. Denn es gibt nicht viel, was so verlässlich ist, wie die aus innerer und äußerer Eitelkeit genährte Dummheit, also gefährliche Selbstüberschätzung des Homo Sapiens. Oder auf gut Deutsch, auch hochintelligente, ja sogar kluge Menschen – ein Schelm, wer hier denkt, ich würde gar aus eigener Erfahrung sprechen – können immer wieder geradezu unterirdisch dämlich in Erscheinung treten. Oder wie der Kabarettist Fred Endrikat, der Sohn eines offensichtlich gescheiten Bergmanns einst gedichtet hat: “Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen“.

 

Was aber hat nun die Religion mit der ganzen Sache zu tun?

Als der christliche Erlöser, zumindest nach amtlicher Übereinkunft 1971 Jahre alt geworden war, schrieb ein gewisser Lloyd-Webber ein Musical über den Sohn Gottes unter dem allseits bekannten Titel “Jesus Christ Superstar“. Dass unter allen spirituellen Größen der Geschichte ausgerechnet Jesus den Titel des “Superstars“, eigentlich die narzisstische Krone menschlichen Selbstverständnisses, angeheftet bekommt, ist ganz und gar kein Zufall. Es ist vielmehr von geradezu bestechender Folgerichtigkeit. Doch vor dem “Superstar“ gebührt ihm noch ein anderer Titel, der in den besseren Fällen die Voraussetzung für den ersteren ist.

 

Und was für ein Titel wäre das?

Jesus Christus ist, neben einigen anderen ziemlich wichtigen Funktionen auch der Prototyp des modernen europäischen Genies. Der konsequent ambivalente, männlich-weibliche – lange Haare und Bart –  Heros der Neuzeit. Und der Titel “Superstar“ kommt ihm ganz einfach deshalb zu, weil er im Gegensatz zu allen anderen  spirituellen oder philosophischen Größen jung, oder genauer gesagt, im für einen Märtyrer perfekten Alter gestorben ist. Denn in der offiziellen Auslegung ist er zwischen seinem dreißigsten und seinem fünfunddreißigsten Lebensjahr über den Jordan gegangen, also in einem Alter, in dem sich theoretisch Frauen aller Altersgruppen auch erotisch für ihn begeistern können. Für die jüngeren Damen ist er noch nicht zu alt, und für die älteren nicht mehr zu jung. Dass die erotische Spannung zwischen Jesus und seinen weiblichen “Fans“ auf dem subtilen Geflecht von Belehrung, Aufopferung, Entsagung, und damit gesteigerter Sehnsucht gründet, macht dieselbe so tief und langlebig. Wer in dieser Aufzählung eine gewisse Analogie zum Künstlertum im Allgemeinen wie im Besonderen erkennen möchte, darf sich getrost einer gewissen Hellsicht rühmen. Auf den Punkt gebracht bedeutet das, ob Che Guevara oder Michael Jackson, an allen rebellisch-erotischen Symbolfiguren der jüngeren Vergangenheit hat der Messias stets einen mehr oder weniger großen Anteil gehabt. Da auch der katholischen Kirche die erotischen Potentiale ihres Religionsstifters nicht völlig entgangen sind, hat sie zahllose Künstler damit beauftragt von ihm die schönsten Bilder zu malen, die wir Summa summarum von einer männlichen Person haben. Die gelungensten davon verbinden das griechische Körperideal mit jüdisch-melancholischem Tiefgang. Der weibliche Heros, die weibliche Heldin wurde übrigens folgerichtig, damit das Ganze sozusagen in der Familie bleibt, von seiner Mutter übernommen. Und dass die erste Frau, der man den Rang eines weltweiten Stars, eines Megastars einräumen muss, mit Taufnamen ausgerechnet Madonna heißt, darf man getrost, sagen wir, als einen extrem zugefallenen Zufall betrachten. Und dass ihre legitime Nachfolgerin sich den Namen “Lady Gaga“ gegeben hat, spricht betreffend der schon erwähnten höchsten Ironie, eine allzu deutliche Sprache. Ja, das Heilige und das Absurde reichen sich immer wieder mal die Hände. Wenn ich nun die innere wie äußere Wirkkraft von Jesus Christus auf die Musik der Neuzeit hin berechne, dann ist in der europäischen Klassik, ganz besonders bei Johann Sebastian Bach, dem einflussreichsten Musiker überhaupt, der Anteil an Innerlichkeit um einiges größer als in der Pop- oder Rockmusik. In dieser ist wiederum der äußerliche, der darstellende, der kulthafte, der Anteil an Superstar eben weitaus stärker verkörpert. Kurz und gut; während bei Bach und seinen Kollegen meist das Werk im absoluten Mittelpunkt steht, ist in der Unterhaltungsmusik die Präsenz der Persönlichkeit oft deutlich, in manchen Fällen grotesk deutlich, über dem Werk angebracht. Man könnte auch sagen das Bild kommt vor dem Ton, oder auch “Video killed the Radiostar“. Durch diese visuelle Dominanz, denn Licht ist ja bekanntermaßen etwas zügiger als der Schall unterwegs, verbreitet sich ein Elvis Presley, mit all seinen Vor- und Nachteilen, auch weit schneller über den Erdball als ein Johann Sebastian Bach. Und er wird auch weit schneller wieder in Vergessenheit geraten. Das heißt, dass nur ein kleiner Teil seiner Songs die Geschichte überleben wird, weil ein Großteil seines Ruhmes nicht auf der Qualität seiner Musik, sondern auf der zeitgebundenen Anbetung seiner erotischen, charismatischen Ausstrahlung beruht. Dass auch seine Biographie gleich der von Jesus ein, wenn auch weit selbstsüchtigerer Anteil an Märtyrertum begleitete, hat auch hier besagten Ruhm eher verlängert als verkürzt. Wenn wir nun das Prinzip des Superstars in der Musik noch unter einem räumlichen Aspekt betrachten, nämlich seiner deutlichen Erhöhung, die er auf der Bühne gegenüber seinem Publikum einnimmt, dann findet man in den Evangelien dazu eine spannende Analogie. Während nämlich bei Markus, Matthäus und Lukas die Kreuzigungsszene auch mit “Die Kreuzigung“ überschrieben ist, steht bei Johannes tatsächlich “Die Erhöhung“. Dass diese Änderung in einem entsprechend komplexen Beziehungsgeflecht von Aussagen ihre tiefere Berechtigung erfährt, kann ich hier nur erwähnen und nicht im Einzelnen ausführen.

 

Wo bleibt das Eingemachte?

Nachdem wir nun die oberflächliche Komponente des Superstars, also die Magie der äußeren Erscheinung wie auch seine visuelle Inszenierung im Raum genauer betrachtet haben, noch ein Wort zu der tieferen und weit wichtigeren Komponente desselben. Kein Buddha, kein Moses und auch kein Mohammed haben jemals den Satz “wer an mich glaubt“, diese konzentrierteste und intensivste – böse Zungen würden sagen – fanatischste Einschwörung auf eine einzelne Person von sich gegeben, die man vor einem gewissen Adolf Hitler je gehört hat. Das war allein, und aus gutem Grund dem Messias vorbehalten. Denn wo Moses seinem Gott Auge in Auge gegenüber zu treten hatte, war Jesus die gleiche Begegnung mit dem Satan, dem Teufel, der Verführung im allgemeinsten Sinne vorherbestimmt. Doch auf diese Begegnung und ihre zahlreichen Querverbindungen genauer einzugehen, ist hier definitiv nicht der Ort. Unsere Vorgehensweise unterliegt viel mehr dem Motto

 

in der Kürze liegt die Würze, und wann, wo und wie kommt denn jetzt endlich das Eingemachte?  

Das kommt erst mal in Gestalt eines Selbstzitates daher. Am Ende des ersten Teiles habe ich geschrieben, dass die technische Entwicklung mittlerweile jeden durchschnittlichen Dorfmusikanten bis hinauf zum vermeintlichen Superstar katapultieren kann und auch tut. Und dass das auch gut so sei. Nachdem wir nun die Rolle von Jesus Christus bezüglich Genie- und Superstarkultur einigermaßen ausreichend beleuchtet haben, müssen wir auf eine seiner zentralsten Aussagen eingehen. Und zwar auf die radikal-demokratische, dass “die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein werden“. Die Kirche hat diesen Satz, auch aus einer egoistischen Zweckdienlichkeit heraus, gerne im Sinne einer trostspendenden Verheißung für das Leben nach dem Tode interpretiert. Auch wenn sich diese Interpretation durch ihren Kontext problemlos legitimieren lässt, so glaube ich doch, dass sie dem elementar ursprünglichen Charakter, der fundamentalen Abstraktion dieser Aussage nicht wirklich gerecht wird. Um dieselbe in ihrem ganzen Umfang zu begreifen, muss man sich das Prinzipielle der jesuanischen Existenz vor Augen führen.

Und das wäre?

Die Figur Jesu Christi steht für die Aufhebung starrer, unbeweglicher Gegensätze und ihre gleichzeitige Überführung in einen dynamischen, dialogischen Prozess. Im Konkreten heißt das, er entwertet so diametrale Begriffe wie Gut und Böse, oder Opfer und Täter nicht, er bringt sie in einen lebendigen Austausch miteinander. Er füllt das von Heraklit kommende, buddhistisch anmutende Alles fließtsprichwörtlich mit Blut. Na ja, und die Matthäuspassion wurde bekanntermaßen von einem Herrn Bach – kein Kommentar – geschrieben. Und so könnte man unter der Prämisse der ineinander laufenden Gegensätze – schon wieder Bach, diesmal als Vollender des Kontrapunktes – den Opfertod des Erlösers genauso gut als einen Tätertod bezeichnen. Sie sehen, wir sind langsam im fast komödiantisch zu nennenden Kern des scheinbaren Paradoxons angekommen. Aber der Menschensohn ist tatsächlich auf kurze und auch lange Sicht betrachtet, genauso Täter wie er Opfer ist. Und er ist das sogar gleichzeitig, was ihn strenggenommen zur ersten quantenphysikalischen Aussage der Menschheitsgeschichte erhebt. Aber Erhebung und Erhöhung sind nun mal die bevorzugten Hobbys des Herrn.

 

Und wie ist das mit dem Tätertod denn nun wirklich zu verstehen?

Also zuerst einmal, der Opfertod von Jesus Christus war nicht der spontane Einfall eines rebellischen Wirrkopfes, den irgendein unbestimmtes allzu pubertäres Obrigkeitsproblem plagte, sondern eine von langer, und zwar ganz langer Hand geplante Opfertat,  wie es durch die immer wieder von Jesus selbst zitierten Sätze à la “damit sich das Wort erfüllt“ oder “wie es geschrieben steht“ überdeutlich dokumentiert ist. Das Wort Opfertat entspricht dabei sprachlich wie psychologisch der auch in der Musik gebräuchlichen Umkehrung des weithin üblicheren Ausdrucks des sogenannten Tatopfers. Während dieses das Opfer einer Tat wurde, beschreibt die Opfertat die Tat eines Opfers.

 

Äh, das klingt jetzt schon ein wenig verdreht, oder?

Ja, natürlich! Aber wie schon Karlsson vom Dach, also der schwedische Mini-Mephisto von Frau Lindgren so trefflich bemerkt hat: “Das stört keinen großen Geist!“. Nachdem wir nun über den langjährigen Plan gesprochen haben, kommen wir jetzt auf die Art und Weise des sogenannten Opfers, auf den spezifischen Charakter, auf die äußere Wirkung und die inneren Folgen derselben zu sprechen. Der erste offiziell ausgerufene Sohn Gottes ist selbstverständlich nicht zufällig gekreuzigt und nicht gevierteilt, gehängt oder gar gesteinigt worden. Der letztgenannten dieser Strafen ist er übrigens einmal nur mit Müh und Not entkommen. Und das aus dem denkbar besten Grund. Während nämlich eine Kreuzigung das “Opfer“ in eine erhöhte Position gegenüber den “Tätern“ gebracht hat, sie also, ob sie nun wollten oder nicht, zu ihm aufgeschaut haben, drückt eine Steinigung das Opfer so tief in den Staub wie es nur geht, macht also aus ihm ein waschechtes, lupenreines Opfer. Da nun aber der Messias nach dem Willen seines Vaters verherrlicht werden sollte – ein Umstand, der sich mit allzu viel Staub nur bedingt vereinbaren lässt – kam eine Steinigung für ihn natürlich nicht in Frage. Denn eine solche ist ungefähr so glorreich wie ein Hundehaufen. Nun noch ein paar entscheidende Gedanken, die auf die Kreuzesworte des Erlösers und deren Charakter bezüglich des Verhältnisses von Opfer zu Täter und umgekehrt eingehen. In den ersten beiden Evangelien, also “Markus“ und “Matthäus“ macht Jesus nur jeweils eine Aussage am Kreuz, und zwar in beiden Fällen die gleiche, und die lautet: “Mein Herr, Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Davon abgesehen, dass diese Aussage ihren Ursprung in einem der Psalmen Davids hat, ist nur unschwer zu erkennen, dass sich Jesus hier, in der Stunde seines Todes, was seine innere Befindlichkeit angeht, mehr als Opfer denn als Täter sieht. Im dritten Evangelium, also bei “Lukas“ hingegen, lautet das erste von drei Worten: “Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!“ Der Umstand, dass Jesus hier nicht mehr für sich selbst, das Opfer, sondern für die Täter um Hilfe, oder genauer um Vergebung bittet, zeigt auf beeindruckende Weise die beginnende Bewegung, und damit den Wechsel der beiden Parteien zu ihrem jeweiligen Gegenpol hin. Die Täter sind, und zwar mental, durch ihre Unwissenheit, und damit  ganz und gar, zum Opfer geworden. Und das vermeintliche Opfer schaut nicht mehr hilfesuchend nach oben sondern mitfühlend und souverän nach unten. Und das dritte Wort des Erlösers, das nicht weniger bekannte “in deine Hände befehle ich meinen Geist“ signalisiert, besonders im Ausdruck des Befehlens, den freudigen Übergang in den Zustand vollständiger Autonomie, beseelter Freiheit, stiller Erleuchtung. Und wenn im letzten, im Johannesevangelium dann das allerletzte Wort Jesu “Es ist vollbracht“ lautet, dann ist endgültig klar, dass wir es mit einem tätigen Opfer und einem sich opfernden Täter zu tun haben. Die beiden Pole sind in ständiger Bewegung. Das gilt auch für die vier Evangelien, die kein rein kausales Nacheinander, sondern ein korrelatives Ineinander, Gegeneinander, Miteinander und Nacheinander sind. Dass das die Sache nicht unbedingt vereinfacht, lässt sich nicht leugnen. Aber ein Gesamtes ergeben die Evangelien nur im Erleben, nicht im Begreifen. Der Sprache sind immer natürliche Grenzen gesetzt. Also lesen Sie die Evangelien nicht einfach, horchen Sie sich, fühlen Sie sich in sie hinein. Oder geben Sie dem alten Thomaskantor eine Chance. Am besten beides.

 

War das nun das Eingemachte?

Noch nicht ganz. Wir müssen uns noch über das wahre Fundament, über die grundlegende Haltung, die der Erleuchtung vorangeht, besprechen. Dann wird auch der unauflösbare Zusammenhang zwischen Genie und Stümper klar erkennbar. Wir kennen alle das Gebet von Jesus auf dem Ölberg, in dem er seinen persönlichen Willen dem Willen Gottes unterstellt. Diese Handlungsweise ist dieselbe, wie man sie bei wahren Künstlern antrifft. Auch diese machen sich, straff ausgedrückt, zum aktiven Werkzeug eines passiven Willens. Etwas zeitgemäßer und religionsferner ausgedrückt bedeutet das, man lässt sich auf sein stilles Urvertrauen fallen – deshalb passiver Wille – und schöpft mit dessen Hilfe – deshalb aktives Werkzeug – aus den vollen geistigen Wassern. So hat Christus, ganz besonders im letzten Evangelium seine hochproduktive, also tätige Aufgabe verstanden. Der Herr Antichrist, also der Herr Schicklgruber hingegen, hat seine etwas poröse Existenz auf das genaue Gegenteil verwettet. Er hat sich als einen aktiven Willen eines passiven Werkzeuges verstanden. Im Klartext heißt das, er hat Gott als eine Schimäre, als ein aufgeblasenes aber eigentlich schlaffes Trugbild verwendet, um die Anderen – und in wirklich tragikomischen Stunden auch sich selbst – an der antisemitischen Nase herum zu führen. In den Evangelien ist, ob von Jesus oder den Pharisäern, immer ausdrücklich vom lebendigen Gott die Rede. Der Gott Adolf Hitlers war hingegen, zumindest was die Substanz seines Glaubens an denselben betraf, mausetot. Und so war der ganz große Verführer auch nicht ungläubig, sondern totgläubig. Heißt, er glaubte ausschließlich an den Tod. Oder wie die deutsche Variante der biblischen Schlange so außerordentlich präzise und klar formuliert: „Ich bin der Geist, der stets verneint, und das mit Recht, denn alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht“. So wie Jesus Christus der König der Hochbegabten war, so war der Antichrist, so war Adolf Hitler der König aller Stümper. Und das gilt vollkommen unabhängig von der Berufsgruppe, da Hitler ja außer “der Führer“ zu sein, keinen hatte. Bleibt natürlich noch die Frage offen, was an diesem Stümpertum, um die Kurve zum modernen Musikmarkt wieder zu kriegen, na ja, zumindest akzeptabel ist?!

Genau!

An dieser Stelle kommen wir auf die radikal-demokratische Aussage “die Ersten werden die Letzten, und die Letzten die Ersten sein“ zurück, und bringen noch ein weiteres Wort des Gottessohnes ins Spiel. Die Antwort von Jesus auf eine mit “guter Rabbi“ begonnenen Frage eines Pharisäers lautete: “Was nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen!“ Diese Mitteilung ist von absolut essentieller Bedeutung. Der Satz besagt nämlich, dass nur Gott das Eine, das Vollständige, und damit Gute ist. Und zwar ganz einfach deshalb, weil es in der Einheit das Böse nicht geben kann, weil es dann eine Zweiheit wäre. Denn das Böse, der Satan ist der Widersacher. Und damit man ein Widersacher sein kann, muss natürlich schon etwas da sein, gegen das man sein kann. Die nicht nur gute, sondern sogar sehr gute Schlussfolgerung dieses Umstandes besagt dann auch: Es gibt Gott ohne Satan, aber Satan nie ohne Gott! Nun macht der Messias uns, wenn man so will, zwei verschiedene Angebote. Das Erste ist die Eins-zu-Eins Nachfolge seiner Person, die als äußerste Konsequenz die weitgehende Abkehr von dieser Welt, also eine uns wie auch immer geartete Form des Priestertums, und damit verbundene Suche nach der Einheit mit Gott auferlegt. Einige ganz große Künstler wie Bach, Mozart oder Beethoven zum Beispiel haben diese Einheit immer wieder erreicht. Das zweite Angebot ist das Eintauchen in den dialogischen Prozess der Gegensätze, die Aufhebung starrer Denkmuster, das “Alles fließt“, den inneren Kern unserer Existenz mit freudigem Herzen willkommen zu heißen. Und das wird uns nur gelingen – Achtung, Superparadoxon – wenn wir unsere Vorurteile und unser Schwarz-Weiß-Denken immer wieder mal an die frische Luft lassen, oder wie Erich Kästner über das Verallgemeinern so trefflich bemerkt hat: “Niemals richtig, immer wichtig!“ Denn erst daraus erwächst die grundlegendste wissenschaftliche Methode, die niemand besser formuliert hat als Albert Einstein: „Mach die Dinge so einfach wie möglich aber nicht einfacher!“ Und wenn ich nun schlussendlich das Wort von den “Letzten, die die Ersten sein werden“, in seiner flüssigen Ambivalenz, in seiner radikaldemokratischen, in seiner unauflösbaren und zu Ende gedachten Konsequenz auf den König der Stümper, auf Adolf Hitler beziehe, dann war dieser, und zwar unter allen möglichen Prämissen nicht der Letzte, sondern vielmehr das Allerletzte. Und damit stellt er die größte Herausforderung an die Güte Gottes, an das Vergebungspotential des Allmöglichen dar. Die Güte wird durch nichts besser zum Ausdruck gebracht, als das jesuanische “Liebet eure Feinde!“ Und was das Allmögliche, das “Alles ist möglich“ angeht, so war Adolf Hitler dessen negativer Endpunkt. Die deutsche Vokabel Vernunft ist eine außergewöhnlich kluge Wortschöpfung. Sie leitet sich von einem Hörvorgang, nämlich dem Vernehmen ab. Sie meint aber das innere Vernehmen, sie meint, an ihrem positiven Ergebnispunkt, dass wir unsere absolut freie Gedankenwelt, also das Ungebundene, mit unseren tiefsten Empfindungen, also dem Gebundenen, in Einklang bringen. Sie meint im besten Fall immer die vollständige Abgleichung mit der Wirklichkeit, und zwar so wie sie ist, und nicht so, wie wir sie uns wünschen. Ein Mensch, der sich zum totalen, absolut unersetzlichen Führer eines Volkes stilisiert, und dann ein tausendjähriges Reich ausruft, eine Zahl die sich mit seiner statistischen Lebenserwartung nur ungenügend vereinbaren lässt, hat unbestritten ein eklatantes Problem mit besagter Wirklichkeit. Er ist ganz ohne Zweifel der Gipfel aller Unvernunft. Und dieselbe ist nicht der höchste, er ist vielmehr der letztmögliche und damit unverzichtbare Ausdruck menschlicher Dummheit, und damit eben auch menschlicher Freiheit. Er symbolisiert das grenzenlose Vertrauen des göttlichen Geistes in die Fähigkeit seiner freiesten Geschöpfe, der Menschen, am Ende doch das Richtige, das Gute zu tun. Damit man global, und wenn es geht – weil die Kinder heute ein viiiiel größeres Bum-Bum als damals haben – möglichst bald zur Vernunft kommt, musste man irgendwo auf dieser Erde den äußersten Punkt der Unvernunft erreicht haben. Und das war offensichtlich dem jüdischen, dem deutschen Volk und einem Österreicher – “die spinnen die Österreicher“ – zugeteilt. Adolf Hitler und sein Drittes Reich waren nicht chaotisch, denn diese Eigenschaft ist eine der wertvollsten im Reiche der Vernunft. Sie waren deshalb auch nicht das geordnete Chaos, sie waren die Negativambivalenz schlechthin, sie waren das organisierte Chaos. Neben dem unvergleichlichen Charlie Chaplin hat das niemand besser erkannt als ein gewisser Vicco von Bülow. Loriot, dieses vielleicht einzige wahre Genie der Bundesrepublik Deutschland, hat in seinem bekanntesten Sketch “Das Bild hängt schief“ die Quintessenz des deutschen Problems, den Perfektionswahn, dem halt irgendwann sein abstrusester Ableger, das organisierte Chaos folgen musste, auf das Vollkommenste inszeniert. Und nun stehen auch die beiden wichtigsten Wörter in einem Satz. Während Jesus nämlich sagt, “ihr sollt vollkommen werden wie der Vater“, frönen Hitler und Co. ihrem eiskalten Perfektionismus. Und der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen besteht schlicht darin, dass der Perfektionismus die rasend ungeduldige Ausgabe der Vollkommenheit ist. Während diese den Satz “Gut Ding will Weile haben“ als ihr Credo führt, will der Perfektionismus alles meist so schnell wie möglich. Und die letzten drei Worte sind die perfekten Stichwortgeber, und hier passt der Ausdruck wegen seines überleitenden und flüchtigen Charakters sehr gut, um wieder zur Musik der Jetztzeit zurück zu kehren.

 

Ächz, stöhn, wurde auch langsam Zeit! Wie geht`s weiter?

Mit Matthias Reim.

Ach was! Und warum ausgerechnet mit der Sackpfeife?

Wegen des ebenso perfekten wie vollkommenen Übergangs natürlich. Denn ihm, und niemand anderem als ihm – obwohl in diesem Land natürlich nur wenige unserer singenden Stümper der süßen Berufung zum hauptamtlichen Oberstümper widerstehen können – gebührt der Titel des “Hitlers der Musik“. Er ist das radikaldemokratische “Alles ist möglich“, auch wenn es so dumm ist, dass einem die Gehirnzellen so schnell wegschmelzen, wie es das Eis auf Grönland – wo man mittlerweile Erdbeeren aus heimischer Ernte erwerben kann – inzwischen tut. Dieser Sauerkraut-Jesus im Turnschuh-Format, und keineswegs der schon hinreichend erwähnte Popcorn-Mussolini für Playmobil-Fanatiker, ist tatsächlich der höchste Aussichtspunkt homo-sapiensischer Unvernunft, also menschlichen Größenwahns.

 

Oha, jetzt schlittern aber wirklich steile Thesen auf`s Parkett?

Aber mitnichten! Also ihr Lieben, diese Welt wird nur dem Auge und dem oberflächlichen Verstand nach von den “großen, bösen Jungs und Mädels“ – so viel Emanzipation muss sein – aus Politik und Wirtschaft regiert. In Wirklichkeit beherrschen uns, und zwar besonders heute, die kleinen unscheinbaren, manchmal kaum sichtbaren aber oft gut hörbaren Geister, nach denen wir Zauberlehrlinge im mentalen Vorruhestand ja auch immer lauthals rufen müssen. Und diese Kompanie von Geistern, diese Legion von Ängsten, und nichts anderes ist es, was uns beherrscht. Also nur weil der amerikanische Präsident mächtiger als Herr Reim ist, heißt das noch nicht, dass er auch größenwahnsinniger sein muss. Denn wir sprechen von der deutschen Art und Weise überzuschnappen, und die ist im Gegensatz zur anglistischen immer zuerst geistiger, abstrakter Natur. Um es also eindringlichst zu formulieren, wenn der Donald und seine Kamarilla ihre erste Atombombe auf den Nachbarkindergarten geschmissen haben, dann haben sie den Größenwahn getoppt, auf den ich jetzt zu sprechen komme. Und der hat drei Vornamen und heißt Matthias “Verdammt ich lieb dich“-Jubiläumsbox Reim. Ohne auf die abstrusen Details, auf die Tiefendimension unfreiwillig-freiwilliger Komik – ja die meisten Menschen wissen es vielleicht nicht immer, aber spüren schon, wenn sie wirklich blöd sind – eingehen zu wollen, dieses “Verdammt ich lieb dich“ ist ein so arriviertes Werk göttlicher Idiotie, ist sowas von einem konzentrierten Blödsinn, dass es einem immer wieder die Sprache verschlägt, wenn seine horriblen Schwingungen unsere Gehörgange auf längere Zeit verseuchen. Von diesem Machwerk der übelkomischsten Art, diesem Siedepunkt geistigen Unvermögens hat unser Turnschuh-Messias in seiner sogenannten “Jubiläumsbox“, die man für schlappe 300 Euro erwerben kann, eine Schallplatte mit nicht weniger als vier, als ich zähle mal durch, EINS, ZWEI, DREI, VIER Versionen von “Verdammt ihr wisst schon“ beigelegt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hier müsste der Verfasser dieser Zeilen eigentlich abbrechen, und zwar aus zwei Gründen: Entweder er ist an einem tiefen bacchantischen Gelächter, im Zustand vollkommener Würdelosigkeit in den Äther entfleucht, oder er ist an seiner Fremdscham sang- und definitiv klanglos zu Grunde gegangen. Man stelle sich bitte mal vor, Paul McCartney, also der Mann, der tatsächlich Teil der Musikgeschichte und kein verhinderter Tennislehrer oder strafversetzter Kaufhaus-Animateur ist, hätte in “Good old England“ eine massiv überteuerte Box herausgebracht, in der sich neben anderen Unsinnigkeiten eine Platte mit vier Versionen von “Yesterday“, einem der fünf besten Pop-Songs des vergangenen Jahrhunderts befindet, dann würde derselbe, zumindest symbolisch, den Rest seines Lebens in einer Zwangsjacke im Tower verbringen. Und nun mal aus der humorfreien Zone heraus, die Engländer, wie auch ihre mentalen Brüder, die Amerikaner, haben ein natürliches Gefühl für geistigen, das heißt, wirklich und wahrhaftig gefährlichen Größenwahn. Und wenn ihnen so was unterkommt schlägt ihr berüchtigter Humor ziemlich schnell und unbarmherzig zu. Dass sich das seit geraumer Zeit bedenklich verändert, steht auf einem anderen Blatt. Was nun diese Schlagerrock-Banane Reim angeht, dessen Größenwahn ist, wie schon gesagt, geistiger, also abstrakter Natur. Die kulturelle Dummheit im sogenannten Mainstream der deutschen Unterhaltungsmusik ist mittlerweile einfach so apokalyptisch, dass man die Hybris, die dahinter steckt, gar nicht mehr bemerkt. Und wer jetzt glaubt, dass der Herr Reim das ja nur des Geldes wegen tut, der sollte sich den Werbespot zu dieser ominösen Box einfach mal anschauen, dann wird er schnell eines Besseren belehrt werden. Nein, da steckt ein ebenso närrischer wie künstlicher Größenwahn dahinter, der ein lupenreiner Ausdruck dieser ganzen unnatürlichen, verkrampften und grotesken Dynamik ist, mit der in Deutschland schon seit Jahren alles Untermittelmäßige in einen gar nicht vorhandenen Olymp hinauf gepriesen wird.

 

Und woher kommt dieser geistige, dieser künstliche Größenwahn bei den Deutschen?

Natürlich aus einem schlechten Körpergefühl heraus. Auch darüber, über das immer noch erstaunlich hohe Ungeschicklichkeitspotential der Deutschen ließe sich leicht eine Doktorarbeit schreiben. Besagter Herr von Bülow hat nebenbei erwähnt genau das in seinen Sketchen getan. Aber ich möchte an dieser Stelle nur, bezogen auf das entscheidende Wahrnehmungsorgan der Zukunft, auf das Gehör, ein paar Bemerkungen über das “Wie“ im Vergleich zum “Was“ machen. Wenn ich mir zum Beispiel einige der zahllosen Interviews auf Youtube von dem kürzlich verstorbenen Gunter Gabriel anschaue, auch so ein Komödiant wider Willen – eine Menschenart, deren Keime offensichtlich von einer Art diabolischen Sämann willenlos über die manisch-germanischen Felder gestreut werden, um dann mit der Kartoffelernte auf dem tragikomischen Kleinmarkt bundesdeutscher Eitelkeiten zu landen – dann muss ich vor allen Dingen darauf achten, wie er Dinge sagt, und nicht so sehr auf das Was. Der sogenannte deutsche Volksmund, der in vielem von Goethe oder Schiller herrührt, hat dafür ein wirklich sensationell passendes Wort: Der Ton macht die Musik! Genauso ist es!! Denn der Tonfall, der beim menschlichen Wort die Musik ist, und damit das Fließende, das noch Ungeteilte, wenn auch nicht Vollständige, lässt uns bei den Aussagen von Herrn Gabriel, diesem beständig blubbernden Country-Klon für Teilzeitalkoholiker, diesem Sokrates der bundesdeutschen Feldwege, genau erkennen, wo er authentisch ist, und wo nicht; wo er künstlich ist, und wo nicht. Und ohne an dieser Stelle auf die Gründe für diese, zumindest in ihrer Prägnanz sehr deutschen Eigenschaft einzugehen, genau darauf wird es in Zukunft ankommen, ob wir den authentischen Geist, das natürlich gewachsene Körpergefühl unterstützen, oder immer noch eine Art ängstliche Puppe, die mehr von anderen als von sich selbst bewegt wird, bleiben wollen. Denn der bessere, der naive, und damit ursprüngliche, und nicht der künstliche, der törichte Teil, wie man früher gesagt hätte, sollte hier langsam der emotionale Marktführer werden. Wenn das gewährleistet ist, dann ist der Stümper nicht mehr “der Stümper“, sondern das, was er sein sollte: Die radikal-demokratische Verkörperung, des immer wieder erwähnten “die Letzten werden die Ersten sein“, heißt, er wird sein “der ANFÄNGER“. Und der macht dann den ANFANG. Und der ist, zumindest wenn es nach “Käptn`Peng“ geht, nah. Vielleicht sogar ganz nah. Denn das schon länger wartende Potential dafür ist riesengroß.

Und womit genau beginnt dieser Anfang?

Womit er immer beginnt, mit einem Ende! Und das sind in diesem Fall noch einige Schlussbemerkungen zum Stümpertum, und den Bedingungen, die mit seiner Legitimation verbunden sind. Also, ein Matthias Reim, ein Dieter Bohlen, ein Gunter Gabriel oder auch eine Andrea Berg – alles Stümper mit Format nebenbei bemerkt – haben in einer, von höherer Vernunft geleiteten Welt, also einer Welt, die der Wahrhaftigkeit, also der erlebten Wahrheit endlich den höchsten Stellenwert einräumt, und die deshalb Toleranz nicht mit Resignation verwechselt, genau die Berechtigung, dass sie sein dürfen müssen, aber nicht sein müssen müssen. Alles klar auf der Andrea Doria? In ein anderes Gebiet übersetzt: Wir können weiterhin Dosenfutter zu uns nehmen, aber vom einfachsten Sinne der körperlichen und geistigen Selbsterhaltung her verstanden, sollten wir frisches Essen, und frische Musik bevorzugen. Denn genau das ist der Unterschied zwischen einem guten und einem nicht so guten Song. Der erstere bleibt viel länger frisch, während der zweite schon ein wenig alt riecht, wenn man ihn öffnet, wenn man ihn das erste Mal hört. Apropos, die Idee Reim und Hitler in einen direkten Zusammenhang zu bringen, ist keineswegs auf meinem hochkarätigen Mist gewachsen, ich habe sie nur erlebnisphilosophisch begründet. Nein, diese formal-geistige Verbindung ist einem der klügeren Köpfe dieser Republik schon früher aufgegangen, und zwar dem provokationsfreudigen und sehr hellsichtigen Jan Böhmermann. Es ist durchaus lohnend, sich beide, das unschlagbare Original von Herrn Reim, und die Satire von Böhmermann mal anzuschauen. Nun aber zum Anfang, und zwar zum Anfang aller Anfänge zum

Om

Der Laut, das Wort OM ist fast dasselbe Wort, von dem Jesus Christus am Beginn der Johannes-Passion spricht, wenn es heißt: Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. Diese berühmte Silbe, dieses Om ist in seinem Klangerlebnis der umfänglichste, der den Innen- und Außenraum am meisten ausfüllende Laut, der überhaupt möglich ist. Und dieser Ur-Klang der Hindus, der für viele Inder am Anfang aller Schöpfung stand, hat im Alten und Neuen Testament, zumindest in der aus dem indogermanischen kommenden deutschen Sprache zwei Entsprechungen. Denn das Alte Testament beginnt mit den Worten, “IM Anfang schuf Gott“, und das letzte Evangelium eben mit dem schon erwähnten “AM Anfang“. Ich werde an ganz anderer Stelle ein umfangreiches Essay über diese sehr speziellen Beziehungen zwischen den Weltreligionen schreiben. Hier habe ich es nur wegen der Ursprünglichkeit des periodischen Klanges willen – denn das OM wird ja bekanntlicherweise gesungen und nicht gesprochen – erwähnt. Und so ist es denn auch ganz bewusst einem Sänger und Pianisten zugefallen, das alles hier in dieser noch etwas ungewohnten Art und Weise nieder zuschreiben. Denn das Leben entspringt aus der Einheit des Klanges, also reinem Klang, nicht aus der Zweiheit des Wortes, aus Klang und Bedeutung. Das Zweite ist die Erklärung und Weiterführung des Ersten. Und beides gelingt nur schmerzhaft und unvollkommen, wenn man den Ursprung, den reinen Klang, den Anfang allen Seins nur schemenhaft wahrnimmt. Und da es hier um den Anfang aller Anfänge geht, komme ich noch mal zum Anfang meiner eigenen Ausführungen zurück. Dort habe ich meine Herangehensweise mit der Umkehrung der Decartschen Formel von “Ich denke, also bin ich“ zu “Ich bin, also denke ich“ beschrieben. Damit stelle ich das, was im siebzehnten Jahrhundert auf den grübelnden Kopf gedreht wurde, wieder auf den Boden der seienden Tatsachen, auf die mittlerweile gründlich gewaschenen Füße. Damals wurde in Europa, nicht zuletzt durch den Einfluss von Martin Luther und der Reformation das kritische Denken der Neuzeit begründet. Für die schnelle Entwicklung von Wissenschaft und Technik, und dazu zählt natürlich auch der Instrumentenbau, der sich dann im achtzehnten Jahrhundert, Stichwort “Wohltemperiertes Klavier“, zu neuer Blüte entfalten sollte, war diese Vorgehensweise unabdingbar. Um möglichst zügig in die Moderne zu gelangen, und dafür wurde es höchste Zeit, musste der Mensch nun vom Einzelnen auf das Ganze hin denken lernen, und nicht mehr umgekehrt. Die katholische Kirche hat immer versucht den menschlichen Fortschritt langsam und bedächtig geschehen zu lassen, und denselben auf die alles einende Gottesempfindung zu gründen. Sie ist dabei immer wie eine etwas zu besorgte aber auch besitzergreifende Mutter vorgegangen, die ihre Macht über ihre Kinder nicht verlieren möchte. Deshalb war die Kirchenspaltung durch Luther nur eine Frage der Zeit. Heute muss und kann man die ganze Sache wieder auf die Füße stellen, da wir mittlerweile so viele Einzelheiten wissen, dass wir wieder das Ganze in den Blick bekommen müssen. Das gelingt uns aber nicht, wenn wir das Ganze nur denken, und nicht erleben wollen. Der Satz “Ich bin, also denke ich“ ist sich, im Gegensatz zu seiner Umkehrung, seiner selbst nicht bewusst. Er wird vom Standpunkt eines noch sehr kleinen Kindes erlebt, aber noch nicht gedacht und formuliert. Das lernt es erst Schritt für Schritt. Und unserer heutigen Welt wird ihre komplexe Existenz nur dann nicht um die Ohren fliegen, wenn sie dieselbe auf diesen Ur-Klang, auf dieses ursprüngliche Erleben des kindlichen, aber nicht kindischen Gemütes fallen lässt. Und das heißt in seiner letzten Konsequenz, dass man selbst auf die allerschlimmsten Dinge immer zuerst mit dem unschuldigen Blick eines Kindes schauen muss, bevor man mit dem Beurteilen der Situation beginnt. Und deshalb kann man die Sache auch keineswegs den Politikern oder den Unternehmern überlassen, die in der Regel an einem Punkt beginnen, der von diesem ursprünglichen Erleben schon viel zu weit entfernt ist. In der Summe gilt deshalb: Die Zukunft kommt aus dem OM, oder wir werden keine nennenswerte Zukunft mehr haben! Wer nun aber immer noch glauben möchte, und zwar weil er zu viel, oder zu wenig Angst hat seinen Teil an der Veränderung und damit Erhaltung der Welt beizutragen, dieselbe würde wirklich und wahrhaftig von Politikern und Geschäftsleuten beherrscht, die in der Mehrzahl nicht beim Om angekommen, sondern beim SKRZ hängengeblieben sind, der muss tun was er tun muss. Das Schlimmste an diesem Denken ist übrigens die Ungerechtigkeit, die man damit vielen Menschen aus Politik und Wirtschaft zu Teil werden lässt. Individuen, die hauptsächlich mit einem anstrengenden, und sicher oft genug nervenaufreibenden Tagesgeschäft zugange sind, die in einer Machthöhe leben, in der die Luft dünn ist und die Versuchungen groß sind, und die deshalb auch nur selten blühende, wirklich frei atmende Visionen haben können, darf man für einen Mangel derselben auch nicht wirklich zur Verantwortung ziehen. Nein, man muss sie zuerst haarklein mit der eigentlichen Problematik vertraut machen, um sie dann, je nachdem wie sie darauf reagieren, angemessen zur Rechenschaft zu ziehen. Vorher gilt noch das “Herr, vergib ihnen“ und so weiter. Nachdem ich nun einige wesentliche Zusammenhänge dargelegt habe, und mein Denken und Erleben genügend transparent geworden ist, kehren wir wieder zum eigentlichen Projekt, zum Musik-Team zurück.

Gute Idee!

Nun können wir zu guter Letzt über die unmittelbaren Gründe für die Notwendigkeit eines Musik-Teams sprechen. Hier müssen wir uns genauer mit dem Wesen des Genies, und der grundsätzlichen Veränderung, die es seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts erfahren hat auseinandersetzen. Wenn wir die drei einflussreichsten Genies der Vergangenheit, Leonardo Da Vinci, William Shakespeare und Johann Sebastian Bach nehmen, dann haben wir es mit sogenannten aristokratischen Genies zu tun.

Was bedeutet das?

Aristokratisch meint an erster Stelle, dass das Werk bei dieser Art Genie im absoluten Vordergrund steht, und die Person selbst zweitrangig ist. Von den sogenannten Klassikern gibt es noch keine persönlichen Ton- oder gar Bilddokumente, auf denen wir hören und sehen könnten, wie sie gearbeitet haben. Im Sinne des Aristokratischen bedeutet das, ihre Kunst geht mehr vom Abstrakten, vom Göttlichen, vom Überpersönlichen aus. Das gibt deren Werken, besonders im Vergleich zur Pop- und Rockmusik auch wieder einen demokratischen Aspekt, da die Interpreten in der Klassik selber darüber nachdenken müssen, wie sie den Text, und das beginnt schon mit den nicht genau messbaren Tempo-Angaben, auslegen möchten. Das habe ich an dieser Stelle nur erwähnt, um kurz auf das Prinzip der ineinander laufenden Gegensätze, des dialogischen Prozesses aufmerksam zu machen. Aristokratisch ist ein Johann Sebastian Bach aber auch deshalb, weil sein Werk und das seiner begabtesten Nachfolger die unabdingbaren Grundlagen der westlichen Musik abbilden. Das gilt natürlich für Da Vinci und Shakespeare gleichermaßen. Als drittes und in Bezug auf das sogenannte demokratische Genie wichtigstes Merkmal des aristokratischen Prinzips in den Künsten, ist die Gebundenheit desselben an die, nur mit Blut, Schweiß und Tränen zu erreichende handwerkliche Virtuosität seiner Akteure. Um es möglichst schnell und prägnant auf den Punkt zu bringen, für das dritte Klavierkonzert von Rachmaninow müssen Sie im absoluten Idealfall immer noch mindestens zehn Jahre konsequent üben, damit Sie bei diesem auch nur den geringsten Erfolg haben. Und wenn man dieses Stück dann endlich in den Fingern spürt, kann es sein, dass das niemanden interessiert, und zwar einfach weil man es vielleicht etwas zu langweilig spielt. Und was in der Klassik für den Interpreten gilt, steigert sich beim Komponisten noch, Stichwort Orchestersatz, Stichwort achtzigminütige Symphonien, um ein Zwei- bis Dreifaches. Im Jazz mildert sich dieses Prinzip dann schon etwas ab, da man dort ein handwerklicher Virtuose sein sollte, aber nicht sein muss. Ohne ziemlich arrivierte Grundlagen, wenn man das noch so nennen will, geht aber auch im Jazz nichts, oder zumindest nicht viel. Wenn ich nun die Beatles, ah . . , oder doch besser Bob Dylan als Beispiel für die moderne Popmusik, für das demokratische Genie heranziehe – Popmusik hier natürlich als absoluter Überbegriff verstanden – dann ist die Qualität seiner Musik am ehesten durch das Wort passend beschrieben. Da seine Virtuosität weit mehr literarischer Natur ist, und diese eben weit weniger von stupender Disziplin als von kreativer Offenheit lebt, kann, oder eher muss seine Musik einfach und daher auch passend sein. Das demokratische Genie Bob Dylans dokumentiert sich also nicht in einer kompositorischen Hochbegabung, einer schönen Gesangsstimme, oder einer virtuosen Beherrschung des Instrumentes, sondern darin, dass alles zueinander passt. Ganz speziell unter diesem Aspekt ist Bob Dylan vielleicht die reinste Verkörperung, oder zumindest die demokratischste Auslegung des göttlichen Prinzips der Einheit. Es muss einfach passen. So wie in der Liebe.

Schön, schön, schön! Das klingt ja alles schon viel netter.

Jaaa, aber nicht mehr lange. Denn während, wie weiter oben schon signifikant beschrieben, die technische Revolution der achtziger Jahre in Amerika und England Genies wie Prince, Michael Jackson, Sting, David Bowie und zahllose andere hervorgebracht hat, kroch bei uns nur eine Sonderform des Genies, das sogenannte stümpernde Genie ans Tageslicht. Die Könige dieses Typus, sozusagen die weltbesten aller stümpernden Genies, kommen übrigens aus demselben Land wie der bereits zitierte “weltbeste Dampfmaschinenoberaufseher“, aus Schweden. Aber Abba, die ich gerne als “Beatles in Dosen“ bezeichne, haben ihre Songs eben auch in Englisch verfasst. Die deutschen Spitzen dieser stümpernden Genies heißen natürlich Lindenberg, Müller-Westernhagen und Grönemeyer. Diese Jungs, von denen selbstverständlich jeder einige grandiose Songs geschrieben hat, erzeugen aber selbst in diesen besten Arbeiten eine deutliche Spur höchst unfreiwilligen Humors. Während Dylans eigenwilliger Deklamationsstil, zumindest was seine Meisterwerke angeht, wirklich passend ist, muss man bei Udo, Marius und Herbert sagen, dass es da nur irgendwie passt. Der Hintergrund ihres prinzipiell merkwürdigen Singens speist sich aus dem Ungeschicklichkeitspotential deutscher Körperwahrnehmung. Während Lindenberg so übertrieben lässig rüberkommen will, dass er schon wieder krampfig wirkt, röhrt Westernhagen manchmal so forciert in den deutschen Eichenwald, dass von dem nur noch zwei Säcke Mehl übrigbleiben. Der Haha, der hysterische Herbert hingegen, meint uns seine eher romantische Sicht der Wirklichkeit immer mit einem Beiklang zwischen Husten und Bellen mehr oder weniger einbläuen zu müssen. Aber in vollem Ernst, ich schätze diese Herrschaften schon sehr, aber sie sind schon etwas schräg. Wenn man von einigen Geheimtipps mal absieht, war Xavier Naidoo der erste wirklich gute Sänger deutscher Popmusik. Doch dessen Lieblingsbeschäftigung ist es uns mit seinem weichgespülten Kokain-Christentum auf den oberagnostischen, oder in meinem Fall auf den multireligiösen Sack zu gehen. Nun, ohne hier tiefer auf Begabungen wie Rio Reiser, die Beatsteaks, Roger Cicero, Joy Denalane, Clueso, oder internationale Erfolge wie die Scorpions, Kraftwerk oder Rammstein näher einzugehen, wir müssen konstatieren, dass unsere populäre Kultur, zumindest bis hierher, in der Summe mit der von Amerika und England nicht annähernd mithalten kann, was aufgrund der ganz anderen musikalischen Wurzeln ja auch nicht im Geringsten verwunderlich ist. Aber mal abgesehen von diesen Wurzeln lag und liegt das auch noch immer ein wenig an der Person des so called “Führers“. Und so wird es langsam aber sicher höchste Zeit die merkwürdigen Beziehungen zwischen ihm und der deutschen Nachkriegskultur verstehen zu lernen.

Die da wären?

Der grausamste Politiker der Weltgeschichte war, und das muss man sich immer vor Augen halten, ein ganz und gar verhinderter Künstler. Und das musste er auch sein. Weil letztlich nur ein Künstlergehirn so frei und ungebunden ist, sich die schlimmsten Verbrechen zum Guten hin auszulegen, und damit sein Gewissen so weit auszuschalten, zu betrügen, dass er dieselben anordnen kann. Und hier haben wir auch die direkte Verbindung zu den gottseidank schlechten und vor allen Dingen dünnflüssigen Kopien von ihm, den Reims, den Bohlens und wie sie alle heißen. Auch deren Gehirn ist immerhin frei genug, um sich den Mist, den sie produzieren, schön zu reden. Aber es gibt von Reim und besonders von Bohlen genug Statements auf Youtube, die erkennen lassen, dass sie es besser wissen. Und dass sie nun in diese gehobene, oder besser abgehobene Position gekommen sind, hängt auch damit zusammen, dass das wirklich Gute in Deutschland noch nicht breit genug auftritt. Nun, damit nach den “stümpernden Genies“, denn die sind ja immerhin noch Genies, nicht immer mehr “geniale Stümper“ auf den Plan treten, sollten sich die Hochbegabten jetzt langsam bewegen. Und das müssen sie in der Gemeinschaft tun, sonst werden die Stümper am Ende obsiegen. Denn die arbeiten mittlerweile, sich vollkommen unschuldig fühlend aus der schieren Masse und blinder Gewohnheit heraus. Dazu springt ihnen bei der kleinsten Kritik gegen sie ein Heer von Mittelmäßigen, oder schlimmer, sogar eine Kompanie von höher Begabten bei, die sie ob ihres Erfolges, nicht aus wirklicher Hochachtung sondern aus positivem Neid heraus bewundern. Und mit was für miesen Tricks die Produzenten der “Vereinigung deutscher Stümper“ arbeiten, will ich gar nicht erst wissen. Mit Chancengleichheit, also mit Gleichheit der Möglichkeiten, hat das mit ziemlicher Sicherheit nichts mehr zu tun.

Aber was sind denn nun wirklich die entscheidenden Gründe für dieses Heer von Stümpern, und zwar speziell in der deutschen Kultur?

Der erste Grund liegt in der immer noch generellen Unterschätzung der Künste im Allgemeinen, und der Musik im Speziellen. In diesem Maschinenbauerland hält man die Musik nach wie vor allenfalls für ein Hobby, also einen Zeitvertreib, so eine Art Kinderbelustigung. Daher denkt man auch, dass die Musik im Guten wie im Bösen vollkommen harmlos ist, weil man gar nicht davon ausgeht, dass sie irgendeine nachhaltige Wirkung haben könnte. In diesem mittlerweile sehr materialistisch orientierten Land glaubt man in erster Linie an das Direkte, das Unmittelbare, also das Geld. Und aus demselben Grund ist es auch scheißegal, welche Frequenz-Piranhas hier die Seelen zerfleddern, Hauptsache, der Rubel rollt. Dass die Musik, und zwar ebenso durch ihr Erklingen wie ihr Nichterklingen den denkbar größten Anteil am wichtigsten Zustand überhaupt, nämlich der Stimmung als Ganzes, oder wie bei mir im Unterricht der individuellen Selbstbestimmung hat, und damit die Verbesserung, oder im Fall ihres Nichterklingens, die Verschlechterung der Motivation an und für sich zur Folge haben kann, kommt hier nur wenigen in den Sinn. Und dass der wichtigste Satz von Friedrich Schiller, der Satz vom “Menschen, der nur da ganz Mensch ist, wo er spielt“, bezogen auf die Musik die Bedeutung hat, dass dieselbe der Anfang von allem, nämlich der vollkommen freie, weil spielerische Entwurf alles Wirklichen ist, gehört auch nicht gerade zum längst abgeschafften Bildungskanon, hier im schönen Deutschen-Hausen. Aus dieser letzten Überlegung lässt sich auch der zweite Grund, die Verwechslung des Kindischen mit dem Kindlichen sehr gut ableiten. Immer wieder verteidigen Musikerkollegen die Reims und die Rossis mit der Bemerkung, die seien ja zumindest nett, und würden vielen Menschen eine Freude bereiten. Zum Ersten, mittelmäßige Begabungen müssen, mit Ausnahme von Bohlen, der das Gegenteil zum Geschäftsmodell erhoben hat, nett sein, da sie sonst keine Platten verkaufen. Und sie machen mit ihrer Musik den Menschen in gleicher Weise eine “Freude“ wie ziemlich faule und konfliktunfähige Erzieher ihren Kindern, wenn sie denselben ausschließlich Süßigkeiten geben, damit sie, zumindest vorerst, ihre Ruhe haben. Das heißt, ihr Verhalten gegenüber ihren Kindern, ihrem Publikum ist kindisch und nicht kindlich. Und statt freie, eigenständige Individuen kommen dabei ziemlich unfreie, impulsgesteuerte Kindsköpfe heraus, die man dann als funktionstüchtige Masse bestens hin und her bewegen kann. Und wenn dann ein eher etwas selbstsüchtig Veranlagter dieser Quarkköpfe mit chronischem Frisur-Problem auch noch das mächtigste Rumpelstilzchen der Welt wird, dann sind endlich alle zufrieden. Der dritte entscheidende Grund für das stetige Wachstum der Stümpergemeinde liegt in einem der vielen unheiligen Wörter des dritten Reiches, in dem der “entarteten Kunst“. Denn dieses führt, meist unbewusst auch heute noch zum reflexhaften Verteidigen alles noch so Schwachsinnigen. Die Einstellung, die dem zugrunde liegt, hält ebenso blind wie kategorisch jede Beurteilung schon für eine Verurteilung. Banal ausgedrückt, man verwechselt in diesem Land Qualitätsbewusstsein mit elitärer Gesinnung. Na ja, eine radikaldemokratische Wahrheit steckt in dieser ganzen Geschichte natürlich drin, und zwar die, dass wenn solche Schwachmaten wie Hitler, Trump, Bohlen und Reim es bis an die oberste Spitze schaffen, dann schafft es jeder. Aber ich denke, das haben jetzt alle zur Genüge verstanden. Oder?

Und wie kann man das Alles zum Besseren verändern?

Indem man und frau – so viel geschlechtsgerechter Blödsinn muss sein – den Anfang macht. Und der sollte zur Abwechslung mal – wenn es sich einrichten lässt – nicht halbherzig ausfallen. Die erste Voraussetzung für einen solch entschlossenen Beginn ist es, eine Haltung einzunehmen, die ich die “Verpflichtung zum Größenwahn“ nennen möchte. Denn durch diese komödiantische Übertreibung entkommen wir endlich dem mächtigsten deutschen Trauma, der gewaltigsten Hemmung aller sensiblen Seelen dieser Republik, “dem unter keinen Umständen zu groß werden dürfen“, koste es was es wolle. Wenn wir das mehr unbewusst als bewusst wahrgenommene Psycho-Gefängnis, das der Herr Schicklgruber und seine Schergen uns mit ihrer bis zum bittersten Ende ausgeführten Grausamkeit hinterlassen haben, ein für alle Mal sprengen wollen, dann geht das nur mit komödiantisch überzeichnetem Hochmut, und nicht mit kleinlicher Verlegenheit, die sich für Demut hält, und nicht für das was sie wirklich ist, für einen eklatanten Mangel an gesundem Ehrgeiz. Womit die wahre Herkunft des krankhaften Ehrgeizes von Reiminski und Company ebenso hinreichend erklärt wäre. Denn wo sich das gute Gewissen nicht freien Herzens ausbreitet, da erobert sich das weit schlechtere genüsslich und entspannt seinen Raum. Soweit die Theorie, und jetzt langsam aber sicher zur Praxis, zum Eingemachten.

 

Sehr gute Idee!

Einer der größten Oms, einer der schönsten Anfänge der Geschichte fand im Jahre 1928 statt. Und dabei zeigte sich Gott den Menschen ein weiteres Mal in seiner vollkommenen Gestalt, indem was das johanneische “ich bin das Alpha und das Omega“ wirklich meint, in der Gestalt ewiger Gegenwart, in der Auflösung der Zeit. Während die Wissenschaft sich durch Werner Heisenberg und andere mit dem Zeitproblem in der Physik einigermaßen erfolgreich herumplagte, ertönte das Alpha der göttlichen Vollkommenheit gut vernehmbar durch das Horn eines gewissen Louis Armstrong, der im Juni 1928 in einer Aufnahme des sogenannten “West End Blues“ die machtvolle Freude dieses Neuanfangs mit noch nie dagewesener Unbekümmertheit in die Welt hinaus trompetete. Zur gleichen Zeit entstand auch das Omega der Musik, die Symphonie op.21 des österreichischen Komponisten Anton Webern, des Schülers und Freundes von Arnold Schönberg, dem Vater eines neuen musikalischen Systems, dem Begründer der sogenannten  “Zwölftontechnik“. („Damit man nun das Kommende einigermaßen versteht, sollte man sich die beiden Stücke unbedingt vorher anhören“) Während Armstrongs Klänge den sieghaften Beginn einer neuen Musik, einer gänzlich frischen Form von dem, was wir Harmoniegefühl nennen ankündigt, schildert Webern in seinem Stück den tragischen Untergang der alten Vorstellung eben dieses Gefühls. Während Armstrong die vollkommene Materialisierung des Geistes ist, ist Webern die vollkommene Vergeistigung der Materie; der eine bildet also die Einheit im Körper, der andere im Geist ab. Während Armstrongs Klänge im besten Sinne naiv, also ursprünglich sind, also dem freudig Unbewussten entstammen, ist sich Weberns Musik bis zum äußersten Grad der Verzweiflung ihrer selbst bewusst. Während der Afroamerikaner die Hoffnung nicht mehr braucht, weil die Lebensfreude sein naturgesetzter und unzerstörbarer, durch 250 Jahre Sklaven-Schaft gehärteter Existenzkern ist, braucht Webern sie nicht mehr, weil er das Credo seines jüdischen Lehrers, die “Emanzipation der Dissonanz“, den seelisch-geistigen Konflikt als Methode, den fortlaufenden Schmerz als Normalfall, und so die Verzweiflung als neu etablierte Grundform des Lebens konsequent zu Ende denkt. Ohne diesen Komplex hier weiter zu verfolgen, die schier unfassbare Größe der Dualität dieser Zeit dürfte jetzt jedem einigermaßen deutlich vor Augen stehen. Denn was für den zeitlosen Geist Gottes eine natürliche Einheit ist, brachte den damaligen Menschen in eine ganz und gar unerträgliche Zwietracht mit sich selbst und den anderen. Und daher gilt: Das “Dritte Reich“ war nicht zu verhindern! Das “Vierte Reich“ dagegen schon. Und in diesem stecken wir längst mittendrin. Die Musik im Allgemeinen und das Musik-Team im Besonderen können den Anfang dazu machen, uns da wieder raus zu bringen. Denn der neue Faschismus ist nicht mehr kategorisch, sondern graduell. Er geht relativ fließend und stufenlos seinen Weg. Und so elegant und unbemerkt er sich etabliert hat, so elegant können wir ihn auch wieder hinaus befördern.

Und wie sieht das im Konkreten aus?

Dafür müssen wir auf die grundsätzlichen Unterschiede des amerikanischen zum europäischen Weg in der Musik zu sprechen kommen. Während die Stärke der afroamerikanischen Revolution, also von Blues, Gospel und Jazz in ihrem spontanen, improvisatorischen Moment zu finden ist, liegt die der Europäer, und ganz besonders die der deutsch-österreichischen Tradition im festgelegten, kompositorischen Gefüge. Während in der amerikanischen Musik die Freiheit großgeschrieben wird, steht bei uns die Ordnung an erster Stelle. Nun haben aber die Nachwirkungen des Nationalsozialismus zu einer massiven Spaltung in der deutschen Musik geführt, die selbst heute noch latent feindschaftliche Züge aufweist. Nirgendwo auf der Welt wird zwischen klassischer und moderner Musiktradition schärfer getrennt als bei uns. Noch immer studieren die Leute Jazz, Pop, oder Klassik, anstelle einfacher, Musik zu studieren. Angesichts der gewaltigen, weltweit grundlegenden, selbst von den so ganz anders gearteten asiatischen Kulturen mittlerweile so gründlich studierten, deutsch-österreichischen Musiktradition, bei der schon drei Namen, Bach, Mozart und Beethoven einen komplett eigenständigen Kosmos abbilden, ist es eine richtig dumme Idee, die angehenden Profimusiker aus Pop, Rock und Jazz nicht intensiv damit vertraut zu machen. Ganz zu schweigen natürlich von den Schätzen der anderen europäischen Länder auf diesem Gebiet. Dass das umgekehrt genauso sein sollte, das also klassische Musiker auch in allen Formen der modernen Musik bewandert sein sollten, bedarf eigentlich keiner Erwähnung mehr. Wenn sich die Vertreter der sogenannten U-Musik bei uns weiterhin hauptsächlich auf die englisch-amerikanische Tradition stützen, fehlt ihnen erstens die vollständige Eigenheit, wie auch die Kraft, mit der genannten mithalten zu können. Wie ich es an dem Beispiel von Armstrong und Webern hinreichend deutlich gemacht habe, was der Jazz und seine Nachfolger an unmittelbar körperlicher Energie aufzuweisen haben, das haben wir im Geist zu bieten. Wo der Gospel seine Spiritualität in direkte Körpersprache übersetzt, konzentriert ein Bach sie im Geist. Wo ein extrem virtuos spielender Jazz-Solist seine gedankliche Ungebundenheit demonstriert, zeigt ein Gustav Mahler in seinen riesigen Symphonien seine gewaltigen mentalen Bindungskräfte vor. Alles das, ergänzt durch die Leichtfüßigkeit des Formates und die verschiedenen inneren Haltungen der zahllosen Stile in der neuzeitlichen Popmusik, wird bei uns erst ein Ganzes ergeben. In der Konsequenz heißt das, dass wir unsere Populärmusiker ausreichend staatlich unterstützen müssen. Und zwar auf allen Ebenen; der finanziellen, der pädagogischen, der kreativen, der geschäftlichen und der organisatorischen. Denn unsere eigene Musiktradition generiert sich zuerst aus der Ordnung, also der Gebundenheit, und nicht aus der Ungebundenheit, also der Freiheit heraus. Wir Deutschen haben keine originär-vitale Musikkultur in der modernen Welt. Daher gilt, wenn wir die ganze Sache weiter ausschließlich dem freien Markt überlassen, werden die Stümper ihre Herrschaft weiter ausbauen. Denn wenn die Leute Qualitäten nicht mehr unterscheiden können, dann gewinnt, und zwar besonders in der so schwer bestimmbaren Musik, und der noch immer so trägen germanischen Mentalität das Billigprodukt, da dieses sehr viel schneller und preiswerter herzustellen ist. Gleiches gilt übrigens, wenn auch in abgeschwächter Form mittlerweile für Amerika. Selbst dort steht mittlerweile das singende Barbie-Püppchen, das Fräulein Swift, die Helene Fischer Amerikas, an oberster Stelle des Erfolges. Aber speziell  dieser Umstand könnte unseren eigenen Aufstieg natürlich erleichtern. Mit Hilfe einer gut strukturierten, freiheitlich geführten und staatlich unterstützen Musiker-Gemeinschaft können wir nach einigen Jahren kulturell auf Augenhöhe mit den anglistischen Ländern agieren. Und das wäre letzten Endes auch die entscheidende Voraussetzung für eine politische Gleichstellung. Und deshalb noch ein letztes Mal die Frage: Welche Kräfte der anglistischen Kulturen bilden das erste und damit entscheidende Fundament ihrer Macht im zwanzigsten Jahrhundert? Das Geld, die Waffen, Coca Cola, Hollywood oder was? Natürlich das brandneue Lebensgefühl, was in der Gestalt der afroamerikanischen Musik und ihrer Ableger die ganze Welt mehr und mehr erfasst hat, und immer noch in einen emotionalen Taumel versetzt. Nehme ich dieses Element raus, dann fällt alles andere, was diese Länder uns im letzten Jahrhundert vermacht haben, schneller zusammen als ein missglücktes Soufflé. Wir hätten uns durch keine Bomben dieser Welt, durch keine wirtschaftliche Überlegenheit das hegemoniale Benehmen der Amerikaner, und zum Teil auch der Engländer so lange gefallen lassen, wenn sie uns nicht dieses, und zwar besonders nach dem Grauen zweier Weltkriege, vollkommen neue Gefühl von Freiheit geschenkt hätten. Und dafür sollten wir uns jetzt endlich mal bedanken. Und zwar mit Anlauf, wenn’s geht!!